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Doric String Quartet – Kirche St. Peter, Zürich – 10. September 2017

Alex Redington violin
Jonathan Stone violin
Hélène Clément viola
John Myerscough cello

Haydn: Streichquartett C-Dur op. 20/2
Schubert: Streichquartett G-Dur D 887

Völlig unverhofft kam ich für das gestrige Konzert des Doric String Quartet kurzfristig zu einer Freikarte (für Abonnenten der Hochuli-Konzerte – in meinem Fall die Tonhalle-Reihe – gab es zum Saisonstart eben Freikarten, die man allerdings vor einiger Zeit hätte bestellen müssen). Die Gelegenheit, ein Streichquartett in Aktion zu sehen hatte ich erst selten: im Januar in Mailand das Takács Quartet, vor ein paar Jahren (mit einem Klarinettisten) das Hagen Quartett.

Das Doric Quartett war mir kein Begriff, doch der Bericht des Herrn neben mir, der seinen Begleitern von einem Auftritt vor ein paar Wochen erzählte, liess die Vorfreude wachsen. Los ging es mit Haydn – und wie schon beim Takács Quartet schien mir das zunächst eher eine Aufwärmübung. Auch das Adagio zog an mir vorüber, doch die abschliessende Fuge liess mich dann fast vom Stuhl fallen, so wundervoll wurde sie gespielt.

Dann Schubert – Musik, um alle Musik zu beenden, zumal die ersten beiden Sätze. Grossartig allein schon, dieses Werk einmal so vor sich entstehen zu hören. Gespielt wurde mit grosser Konzentration, aber zugleich ziemlich locker, mit einiger Freiheit im Gestus. Das gefiel mir sehr gut, führte da und dort aber zu kleinen Unstimmigkeiten, was dann in den etwas leichteren letzten beiden Sätzen manchmal etwas störend war. Da dünkte mich zudem auch die eine oder andere exponierte Stelke nicht ganz sauber ausgeformt. Aber den feinen Gesamteindruck schmälerte das nicht sehr.

Ein weiteres Abo für die Streichquartett-Reihe werde ich nicht anschaffen, aber vielleicht spontan noch das eine oder andere der Konzerte mitnehmen – und im allgemeinen versuchen, öfter Kammermusik im Konzert zu hören.

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Eine ausführlichere Besprechung hat Peter Hagmann verfasst:
http://www.peterhagmann.com/?p=1229

Tonhalle-Orchester Zürich, Giovanni Antonini, Julia Becker – Zürich, Tonhalle, Grosser Saal – 6. Juli 2017

Tonhalle-Orchester Zürich
Giovanni Antonini
Leitung
Julia Becker Violine

Joseph Haydn
Sinfonie D-Dur Hob. I:101 „Die Uhr“
Wolfgang Amadeus Mozart
Violinkonzert Nr. 3 G-Dur KV 216

Joseph Haydn
Sinfonie Es-Dur Hob. I:103 „Mit dem Paukenwirbel“

Zum Saisonabschluss spielte das Tonhalle Orchester ein allerletztes Mal im grossen Saal, bevor dieser für drei Saisons geschlossen bleibt und renoviert (umgebaut?) wird. Am Pult stand ein dem Orchester längst vertrauter Spezialist für historische Aufführungspraxis, der Mailänder Giovanni Antonini, den ich im Februar schon mit seinem eigenen Ensemble Il Giardino Armonico und Sandrine Piau gehört hatte (auch damals standen Haydn und Mozart auf dem Programm).

Das Orchester war natürlich klein besetzt, ging auf Antoninis temperamentvolles Dirigat sehr schön ein, doch im Klang fehlten mir ein wenig die Spitzen, das Temperament, dass ein Ensemble wie Il Giardino Armonico hinkriegt. Dennoch gelangen die beiden Haydn-Symphonien mehr als gut, das Zusammenspiel war auf sehr hohem Niveau. Am schönsten war aber vielleicht das Violinkonzert KV 216 von Mozart, das vor der Pause erklang, mit der ersten Konzertmeisterin des Tonhalle Orchesters, Julia Becker, als Solistin – da schien die Zeit stillzustehen, die Musik schien zu schweben … ganz wunderbar.

Haydn: Orlando Paladino – Opernhaus Zürich, 18. Mai 2017 (Minasi, Mijnssen)

ORLANDO PALADINO
Oper von Joseph Haydn

Musikalische Leitung: Riccardo Minasi
Inszenierung: Jetske Mijnssen
Bühne: Ben Baur
Kostüme: Joki Tewes, Jana Findeklee
Lichtgestaltung: Hans-Rudolf Kunz
Dramaturgie: Fabio Dietsche

Angelica: Jane Archibald
Rodomonte: Ruben Drole
Orlando: Michael Spyres
Medor: Mauro Peter
Licone: Martin Zysset
Eurilla: Mélissa Petit
Pasquale: Juan Sancho
Alcina: Anna Goryachova
Charon: Ildo Song

Angelica (Schauspiel): Meret Bodamer
Orlando (Schauspiel): Felix Gaiser

Statistenverein am Opernhaus Zürich
Musikkollegium Winterthur



Die Aufführung einer Haydn-Oper konnte ich mir nicht entgehen lassen – aber wie bei der diesjährigen Winterthurer-Produktion besuchte ich erst die Wiederaufnahme am Opernhaus Zürich. Dass Riccardo Minasi am Pult stehen würde, machte mich zusätzlich neugierig, auch wenn das Ensemble – leider – auf modernen Instrumenten spielte. Es gab aber auch ein Continuo-Gruppe mit Cello, Cembalo und Laute/Barockgitarre und nachdem die Probleme mit der Balance nach einigen Minuten geklärt waren (es handelte sich erst um die zweite Aufführung der kurzen Wiederaufnahme), passte das Zusammenspiel von Stimmen und Orchester eigentlich sehr gut.

Die Inszenierung fand ich nicht ganz so flach, wie die NZZ-Kritik letztes Jahr befand:
https://www.nzz.ch/feuilleton/musik/haydns-orlando-paladino-in-winterthur-und-ewig-dreht-sich-das-liebeskarussell-ld.81979
Dass damals Claire de Sévigné die Angelica sang, hätte mir noch nichts bedeutet, aber nachdem ich sie ein paar Male gehört habe, fand ich es doch schade, dass sie nicht wieder dabei war. Sie und ihr Medoro bei der Erstaufführung, Spencer Lang, gaben neulich Blonde und Pedrillo in Mozarts Serail – diese Kontinuität gerade auch mit jungen Sänger_innen finde ich sehr löblich. Zumal, wenn sie allesamt so gut sind wie jene, die im „Orlando“ derzeit zu hören sind. Mauro Peter scheint ein aufsteigender Stern am Opernhimmel zu sein, Ruben Drole ist in Zürich ebenfalls ein vertrautes Gesicht, und auch Mélissa Petit sehe ich gerne. Jane Archibald als Angelica war grosse Klasse, dass Sévigné nicht dabei war, war demnach leicht verschmerzbar. Überhaupt überzeugte das Ensemble auf der Bühne – das mit seinen acht Stimmen, die im dritten Akt um Charon ergänzt wurden, zugleich da und dort als Chor herhalten musste.

Die Oper selbst gefiel mir ebenfalls ganz hervorragend – da klingt manches schon an, was Mozart z.B. im „Figaro“ perfektionieren würde (die grossartigen Ensemble-Szenen, mit denen jeder Akt endet), vor allem aber ist da ein endloses Reservoir an betörenden Melodien zu hören, die gekonnt zwischen den Stimmen hin- und hergereicht werden, da und dort in Duette oder Ensembles übergehen. Dass jede Figur ihren grossen Auftritt hat, das ganze Stück deutlich stärkeren Ensemble-Charakter hat als in der Oper im allgemeinen üblich, gefiel mir ebenfalls sehr gut. Aber das Haus war wohl bestenfalls halb voll (im Parkett dichter, auf den Rängen weniger dicht besetzt), mir erlaubte das, von Beginn auf einem besseren Platz zu sitzen (ich bin gerne ganz oben und an der Seite, gucke auch oft ins Orchester, erste Reihe da ist aber schon besser als zweite), aber schade ist das natürlich trotzdem, Haydns Opern werden so kaum noch ihren Weg ins Repertoire finden.

Sandrine Piau, Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini - 6. Februar 2017, Tonhalle Zürich

Il Giardino Armonico
Giovanni Antonini Dirigent
Sandrine Piau Sopran

JOSEPH HAYDN
Sinfonie D-Dur Hob. I: 6 «Le matin»
«Berenice, che fai»

WOLGANG AMADEUS MOZART
Rezitativ «Giunse al fin il momento» und Arie «Deh vieni non tardar» (aus: Nozze di Figaro)
Arie «Non mi dir» (aus: Don Giovanni)

JOSEPH HAYDN:
Sinfonie A-Dur Hob. I: 64 «Tempora Mutantur»

WOLGANG AMADEUS MOZART:
Rezitativ «Grazie ai numi parti» und Arie «Nel grave tormento» (aus: Mitridate re di Ponto)

Kaum zuhause ging es ans nächste Konzert – das passte natürlich perfekt, denn Il Giardino Armonico wurde einst von Studenten der Mailänder Musikhochschule gegründet. Ich schätze die bisher drei Veröffentlichungen ihres grossangelegten Haydn-Projektes sehr (und hoffe natürlich, dass Antonini und sein Ensemble und vor allem das Label alpha – und nebenbei ich – bis 2032 überleben werden und die Reihe tatsächlich vollendet werden kann), schätze aber auch, was ich bisher von Sandrine Piau gehört habe. Keine Frage, dass ich hin musste, auch in der grössten Erschöpfung. Glücklicherweise hatte ich mir einen Platz in der ersten Reihe gegönnt, links vom Mittelgang und daher nur zwei, drei Meter vor Piau (und Antonini direkt daneben auf dem Podest). Die Haydn-Symphonien wurden mit viel Verve angegangen, ausser den beiden Cellisten und dem Kontrabass (einer, aber ein toller!) standen alle Musiker, am hinteren Rand der Bühne waren ein paar Stühle aufgestellt. Für Hob. I: 6 war das Orchester sehr klein besetzt, später wuchs und schrumpfte es mehrmals, doch behielt es stets die kristalline Klarheit, mit der die kleinsten Details hörbar gemacht wurden, trotz der teils wohl recht raschen Tempi (ich bin auch bei Haydns Symphonien noch nicht weit, das ist ja hier auch bekannt). Dann die lange grosse Arie von Haydn zum Abschluss vor der Pause mit einer sehr eindrücklichen Piau.

Mit zwei Mozart-Arien (und einem neuen Kleid) ging es nach der Pause weiter, zuerst die tolle Arie der Susanna aus „Le Nozze di Figaro“, dann aus Don Giovanni „Non mi dir“ von Donna Anna – und das gefiel mir fast noch besser. Was für eine Stimme, was für eine Kontrolle! Und wie toll, das aus nächster Nähe hören zu können, völlig ungefiltert und auch ziemlich laut. Dazu ein Wort: im grossen Tonhallesaal gehen Ensembles mit alten Instrumenten wohl etwas unter, bisher hatte ich aber zum Glück stets die Geistesgegenwart, mir bei solchen Konzerten recht teure Plätze ganz vorne zu leisten; das ist jeweils die dritte von Sechs Preiskategorien, ab Reihe 4 oder 5 beginnt die erste Kategorie, im Regelfall nehme ich die billigsten Karten auf der seitlichen Galerie, wo man aufstehen (sonst sieht man nichts, was auch okay ist) und gesetzt der Laden ist nicht voll (also praktisch immer) auch etwas herumspazieren und sich da hinstellen kann, wo man die beste Sicht hat. Aber gut, Il Giardino Armonico legte dann mit der Sinfonie Hob. I: 64 los, die ich nochmal ein ganzes Stück interessanter fand als die erste frühe. Und natürlich musste auch Piau nochmal ran, mit einer grossen Arie aus der mir noch unbekannten Mozart-Oper „Mitridate“. Danach gab es zwei Zugaben mit Piau, was die erste, auf deutsch gesungene, war habe ich leider vergessen (Piau sagte sie an bzw. sagte irgendwas, aber ich kannte die Arie bzw. das Stück nicht und habe keine Textbausteine mehr präsent, die ich suchen könnte). Als zweites gab es dann – Piau sagte nur: „Barbarina“ und strahlte! – die kleine, bezaubernde Arie der Barbarina aus „Le nozze di Figaro“, „L’ho perduta“. Damit endete ein beeindruckendes Konzert mit einer stillen Note – oder mit einem plötzlichen Abbruch. Vielen Dank, gerne bald wieder!

In der NZZ gab es eine nicht sehr lesenswerte Kritik:
https://www.nzz.ch/feuilleton/sandrine-piau-und-il-giardino-armonico-warum-schreit-berenice-auf-ld.144238

Takács Quartet: Haydn, Ravel, Beethoven - Conservatorio di Milano, 31. Januar 2017

HAYDN: Quartetto in fa maggiore op. 77 n. 2 Hob.III.82
RAVEL: Quartetto in fa

BEETHOVEN: Quartetto n. 14 in do diesis minore op. 131

TAKÁCS QUARTET
Edward Dusinberre, Violine
Károly Schranz, Violine
Geraldine Walther, Viola
András Fejér, Violoncello

Und das war nun the real deal, keine Frage! Haydn war ein etwas verhaltener Auftakt – der Gedanke, den mein Bekannter nach dem Konzert äusserte, war mir auch durch den Kopf gegangen: Haydn sollte man am besten in ganz seinen Quartetten gewidmeten Konzerten aufführen. Aber schon da war das äusserst lebendige Spiel des Takács Quartetts zu bewundern, das in Ravels Quartett dann richtig schön zur Geltung kam. Da ist kein elegant geschliffener Gleichklang sondern ein bebender, vibrierender Körper, an dem alle vier ihren Anteil hatten, den sie gemeinsam im Spiel erschaffen.

Ravels Musik flimmerte in allen Farben und summte, wie ein Bienenstock, der Blick schien durch ein Prisma zu gehen, aber – zugleich, und das war enorm faszinierend – auch durch ein Vergrösserungsglas, das erst offenbarte, was in Ravels Stück alles steckt. Besonders toll war der Pizzicato-Teil im zweiten (?) Satz.

Nach der Pause folgte dann die Krönung mit Beethoven – ich habe ja bekanntlich seine Streichquartette noch nicht angepackt und es war ein beeindruckendes Erlebnis, dieses späte Quartett in so fähigen Händen zum ersten Mal überhaupt bewusst zu hören. Jedenfalls funktionierte der Zugriff des Quartetts perfekt, das Nervöse Flirren sorgte für eine ungeheure Lebendigkeit, einmal mehr schien die Musik fast körperlich greifbar zu werden, so plastisch die Darbietung.
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Zum vorangehenden Kapitel der Woche in Italian im Januar/Februar 2017:
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