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Jazz gegen Apartheid Frankfurt «Celebrating the music of Johnny Dyani» - Basel, 27. Oktober 2016

Claude Deppa: trumpet
Tobias Delius: tenor sax, clarinet
Daniel Guggenheim: tenor sax, soprano sax
Allen Jacobson: trombone, euphonium
Christopher Dell: vibraphone
John Edwards: bass
Makaya Ntshoko: drums

Tolles Konzert gestern abend im Bird's Eye in Basel. Makaya Ntshoko machte anfangs einen etwas unsicheren Eindruck, aber nach ein, zwei Stücken war das vergessen. Das Material stammte (bei der Zugabe war ich nicht sicher, glaub das war ein Brotherhood-Klassiker) vollständig aus der Feder von Johnny Dyani, mit dem dieses Frankfurter Festival, das heuer in Basel zu Gast war, einst konzipiert wurde. Dyani verstarb jedoch kurz vor der ersten Ausgabe.

Claude Deppa, der andere Südafrikaner in der Gruppe, war klasse, zugleich sehr melodisch und lyrisch aber auch frech und geistreich – voll von der „badness“, die den Hard Bop so attraktiv macht, wenn man genauer hinhört. Jacobson (ein Kanadier, den ich zuvor nicht einmal dem Namen nach kannte) war ebenfalls beeindruckend, an der Posaune mit einer beeindruckend sicheren Höhe, am Euphonium unglaublich virtuos – doch wie beim besten Hard Bop gab es den ganzen Abend über kein leeres Schaulaufen. Auch die zwei Saxophonisten waren toll, vor allem Tobias Delius, bekloppt wie immer, Honks, Schreie, Growls (die gab’s bei Deppa auch – Ellington-Anklänge), insistieren auf einem Ton, einem kleinsten Motiv, aber auch virtuose Ausbrüche. Ein paar Male griff er zur Klarinette, die er natürlich ebenfalls komplett beherrscht, und auf der er eine beeindruckende Lautstärke erreicht. Guggenheim war neben Jacobson der andere mir unbekannte Musiker, am Tenor ebenfalls stark aber etwas konventioneller, sehr gut war er am Sopran, das er in manchen Stücken in längeren Passagen unisono mit Deppa spielte – die beiden kommen offensichtlich sehr gut miteinander zurecht. Dell am Vibraphon war unglaublich, schon im zweiten oder dritten Stück spielte er ein atemberaubendes Solo – unfassbar, wie die vier Schlegel nur noch durch die Luft flogen. In die Ensembles brachte er eine schöne Farbe rein, als einziges Harmonieinstrument der Gruppe, setzte aber auch immer wieder mal aus. Edwards am Bass war Herz und Bauch der Gruppe, Fels in der Brandung, der alles auffing, die anderen antrieb (auch vokal – Mingus lässt grüssen, in der Tat dachte ich auch öfter an Aufnahmen des Mingus Workshops, ca. 1961/62, die Birdland-Broadcasts etwa). Ntshoko war ziemlich gut, ohne dass er je gross im Zentrum stand, zurückhaltend, manchmal fast schon karg, ziemlich ruppig und sehr direkt – seine Hipness ist wohl, dass er gar nicht erst versuchen muss, hippen Shit zu spielen.

Das beste war aber, wie gut die sieben als Band funktionierten, zugleich spontan und frei, aber im Zusammenspiel enorm präzise – was nicht heisst, dass Delius nicht einen Wimpernschlag neben den anderen spielen konnte, dass Edwards oder auch Ntshoko mal den Beat auf den Kopf stellten. Da es sich um ein Dyani-Memorial handelte, war es natürlich toll, Edwards am Bass zu haben, der wohl insgesamt zupackender und konventioneller spielte als üblich, aber den Abend offensichtlich genoss. Sehr schön finde ich auch, dass die Verstärkung im Bird’s Eye auf ein Minimum beschränkt ist, nur Bass und Vibraphon hatten Mikrophone, der Rest war rein akustisch – und auch das klappte wunderbar. Die typisch südafrikanische Manier, leicht nebeneinander zu spielen und durch die entstehenden Unreinheiten und Reibungen, manchmal auch Dissonanzen, Spannung zu erzeugen, ist ja etwas, war mir enorm gefällt – eine Gruppe live zu erleben, die das so gut beherrscht, finde ich erst recht toll.

Im Publikum sass übrigens auch Irène Schweizer, die öfter mit Ntshoko gespielt hat – finde ich sehr schön, dass sie immer wieder auftaucht, sowohl bei alten Weggefährten wie auch bei jungen Talenten.

Marcus Wyatt Blue Notes Tribute - Basel, 29 May 2012

Wonderful music, full of life - warm, celebratory, but not denying bitterness, sadness. When I approached Wyatt between sets, he said they were slowly getting there, but were not quite yet as crazy as the Blue Notes were. But it was more of a Blue Notes, Brotherhood of Breath and Dyani thing, really, repertoire- and style-wise.

Great band, a mix of South Africans and Swiss: Marcus Wyatt (t), Siya Makuzeni (tb, voc), Donat Fisch (as), Domenic Landolf (ts), Afrika Mkhize (p, fender rhodes), Fabian Gisler (b), Ayanda Sikade (d).

Drummer Sikade had just flown in from the Cape. He was on fire, and so was Gisler (Dyani lives! Goddam!) and the rhythms really were cooking like mad! Mkhize played a wonderful piano, running the gamut from Dollar Brand to McGregor to what sounded to me like some Don Pullen-like moments. An amazing flow of ideas, a very warm sound, plenty of humor and complete lack of fear as far as being melodic, elegiac even, is concerned. These guys are warriors!

In front, there were Makuzeni on trombone (and a pair of stunning, intense vocals), a small lady with a big sound - her bell was pointed straight at me, sitting front row - wonderful to experience the 'bone sound, it's rare that one gets to hear some good trombone players, really! Then there were Landolf (he had two stellar solos in which he kind of fought against melody, against flow, and created his own microtonal stuff, licks, repetitions, turning into some rather frenzied moments) and Fisch (more melodically flowing with a nice bitter-sweet sound) and on the end of the stage, Marcus Wyatt. For long parts he was more like the guy running the game, but he played some wonderful solos too, full of wit and with great feeling for timbre and melody.

A marvelous night for sure - the spirit of the beloved gone ZA giants really was invoked, yet the resulting music was different and was these guys' (and the gal's) own, which makes it all the more wonderful.