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Jacques Offenbach: Les Contes d’Hoffmann (Spyres, Damrau, Testé, Conners, Pudova, Brower) - Bayerische Staatsoper, München, 30. Juli 2017

Olympia: Olga Pudova
Antonia, Giulietta, Stella: Diana Damrau
Cochenille, Pitichinaccio, Frantz: Kevin Conners
Lindorf, Coppélius, Dapertutto, Miracle: Nicolas Testé
Nicklausse/Muse: Angela Brower
Stimme aus dem Grab: Okka von der Damerau
Hoffmann: Michael Spyres
Spalanzani: Ulrich Reß
Nathanaël: Dean Power
Hermann: Sean Michael Plumb
Schlémil: Christian Rieger
Wilhelm: Galeano Salas
Crespel, Luther: Peter Lobert

Chor der Bayerischen Staatsoper (Sören Eckhoff)
Bayerisches Staatsorchester
Musikalische Leitung: Constantin Trinks
Inszenierung: Richard Jones
Bühne: Giles Cadle
Kostüme: Buki Shiff
Choreographie: Lucy Burge
Licht: Mimi Jordan Sherin
Dramaturgie: Rainer Karlitschek


Ich wollte längst ein paar Zeilen zur Aufführung von Offenbachs „Les Contes d’Hoffmann“ schreiben, die ich letzten Sonntag in München sehen konnte. Gross in die Details gehen kann ich nach fast einer Woche nicht mehr, aber soviel ist klar: die Oper ist ein phantastisches Werk – und zwar in beiden Bedeutungen dieses Wörtchens. Wie die drei Geschichten in der Geschichte sich ineinander verschachteln, wie das alles musikalisch umgesetzt ist, das überzeugt mich immer wieder – es gibt wohl keine Oper, von der ich gezielt so viele verschiedene Aufnahmen (und auch DVDs, die ich alle noch nicht angeschaut habe) zusammengetragen habe – gerade kam auch noch die von 1972 auf Westminster dazu mit Stuart Burrows, Beverly Sills, Norman Treigle etc. und dem LSO unter Julian Rudel (zwar schon mit allen Akten, aber die Giulietta- und Antonia-Geschichten verkehrt herum).

Ich sass auf Empfehlung eines mehrfachen Besuchers des Hauses in der riesigen Staatsoper zuoberst in der Galerie in der vordersten Reihe, fast in der Mitte – und der Tipp war super, denn der Klang war grossartig – ich glaube nicht, dass ich schon einmal eine Oper in so hervorragender Akustik gehört habe – ich mag ja die enge kleine Oper in Zürich (selbst wenn es bei Verdi-Opern laut wird, darf es ja auch!), aber ich war wirklich begeistert vom Raumklang in München.

Orchester und Sänger-Ensemble schienen bei dieser zweiten von zwei Aufführungen dieser 2011 eingerichteten und erstmals aufgeführten Inszenierung ziemlich gut abgestimmt, es gab nur kleine Verschiebungen und auch solche nur selten, klanglich war auch da alles astrein: keine zugedeckten Stimmen (weder von anderen Stimmen noch vom Orchester), keine Misstöne bei den Sängerinnen und Sängern. Diana Damrau sang in einer früheren Aufführung dieser gleichen Inszenierung, die ich im Fernsehen angeschaut hatte, alle vier Damenrollen, diesmal sprangen Olga Pudova und Damrau für eine erkrankte Sängerin ein, und ich fand es ganz gut, dass Damrau nicht auch noch die Olympia gab (und dadurch, dass Stella ja eh eine stumme Rolle ist, sang sie faktisch nur zwei Figuren, von denen sie mir als Antonia besser gefiel). Fast noch besser gefielen mir Angela Brower als Nicklausse und Muse sowie Michael Spyres als Hoffmann, aber auch die Bösewichte von Nicolas Testé (der ebenfalls erst kurzfristig bekanntgegeben wurde – ich weiss gar nicht, ob es für die Rollen davor eine Vakanz gegeben hatte, jedenfalls wurde nicht erwähnt, für wen er eingesprungen ist).

Alles in allem eine tolle Inszenierung (die kannte ich ja schon, hätte sie mir nicht gefallen, wäre ich auch nicht hin) und eine super Aufführung. Das Drumherum fand ich wie so oft etwas bemühend (da ist Zürich erstaunlich unkompliziert, man hat in eine paar Minuten sein kleines Bier und das kostet sogar für hiesigie Verhältnisse nicht mal so viel), aber das liegt dann wohl an der grösse des Hauses – zwei Pausen wären jedenfalls nicht notwendig gewesen (bei der langen ersten nach dem Olympia-Akt musste man allerdings den Saal verlassen, da war wohl ein Umbau nötig – aber den Rest hätte man auch Stück durchstehen können, bei Marthaler in den Kammerspielen gab’s mal wieder 2 1/4 Stunden ohne Pause, das geht schon, wenn das Gebotene gut ist).

Sehr gut ist das Programmheft, das gleich drei Aufsätze liefert zur Entstehung und Rezeption der Oper, und natürlich fehlen auch Interpretationsansätze nicht.

Haydn: Orlando Paladino – Opernhaus Zürich, 18. Mai 2017 (Minasi, Mijnssen)

ORLANDO PALADINO
Oper von Joseph Haydn

Musikalische Leitung: Riccardo Minasi
Inszenierung: Jetske Mijnssen
Bühne: Ben Baur
Kostüme: Joki Tewes, Jana Findeklee
Lichtgestaltung: Hans-Rudolf Kunz
Dramaturgie: Fabio Dietsche

Angelica: Jane Archibald
Rodomonte: Ruben Drole
Orlando: Michael Spyres
Medor: Mauro Peter
Licone: Martin Zysset
Eurilla: Mélissa Petit
Pasquale: Juan Sancho
Alcina: Anna Goryachova
Charon: Ildo Song

Angelica (Schauspiel): Meret Bodamer
Orlando (Schauspiel): Felix Gaiser

Statistenverein am Opernhaus Zürich
Musikkollegium Winterthur



Die Aufführung einer Haydn-Oper konnte ich mir nicht entgehen lassen – aber wie bei der diesjährigen Winterthurer-Produktion besuchte ich erst die Wiederaufnahme am Opernhaus Zürich. Dass Riccardo Minasi am Pult stehen würde, machte mich zusätzlich neugierig, auch wenn das Ensemble – leider – auf modernen Instrumenten spielte. Es gab aber auch ein Continuo-Gruppe mit Cello, Cembalo und Laute/Barockgitarre und nachdem die Probleme mit der Balance nach einigen Minuten geklärt waren (es handelte sich erst um die zweite Aufführung der kurzen Wiederaufnahme), passte das Zusammenspiel von Stimmen und Orchester eigentlich sehr gut.

Die Inszenierung fand ich nicht ganz so flach, wie die NZZ-Kritik letztes Jahr befand:
https://www.nzz.ch/feuilleton/musik/haydns-orlando-paladino-in-winterthur-und-ewig-dreht-sich-das-liebeskarussell-ld.81979
Dass damals Claire de Sévigné die Angelica sang, hätte mir noch nichts bedeutet, aber nachdem ich sie ein paar Male gehört habe, fand ich es doch schade, dass sie nicht wieder dabei war. Sie und ihr Medoro bei der Erstaufführung, Spencer Lang, gaben neulich Blonde und Pedrillo in Mozarts Serail – diese Kontinuität gerade auch mit jungen Sänger_innen finde ich sehr löblich. Zumal, wenn sie allesamt so gut sind wie jene, die im „Orlando“ derzeit zu hören sind. Mauro Peter scheint ein aufsteigender Stern am Opernhimmel zu sein, Ruben Drole ist in Zürich ebenfalls ein vertrautes Gesicht, und auch Mélissa Petit sehe ich gerne. Jane Archibald als Angelica war grosse Klasse, dass Sévigné nicht dabei war, war demnach leicht verschmerzbar. Überhaupt überzeugte das Ensemble auf der Bühne – das mit seinen acht Stimmen, die im dritten Akt um Charon ergänzt wurden, zugleich da und dort als Chor herhalten musste.

Die Oper selbst gefiel mir ebenfalls ganz hervorragend – da klingt manches schon an, was Mozart z.B. im „Figaro“ perfektionieren würde (die grossartigen Ensemble-Szenen, mit denen jeder Akt endet), vor allem aber ist da ein endloses Reservoir an betörenden Melodien zu hören, die gekonnt zwischen den Stimmen hin- und hergereicht werden, da und dort in Duette oder Ensembles übergehen. Dass jede Figur ihren grossen Auftritt hat, das ganze Stück deutlich stärkeren Ensemble-Charakter hat als in der Oper im allgemeinen üblich, gefiel mir ebenfalls sehr gut. Aber das Haus war wohl bestenfalls halb voll (im Parkett dichter, auf den Rängen weniger dicht besetzt), mir erlaubte das, von Beginn auf einem besseren Platz zu sitzen (ich bin gerne ganz oben und an der Seite, gucke auch oft ins Orchester, erste Reihe da ist aber schon besser als zweite), aber schade ist das natürlich trotzdem, Haydns Opern werden so kaum noch ihren Weg ins Repertoire finden.