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Frank Peter Zimmermann, Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI, Ingo Metzmacher: Lindberg, Grisey, Varèse - Auditorium „Toscanini“ della RAI, Turin, 3. Februar 2017

Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI
Ingo Metzmacher direttore
Frank Peter Zimmermann violino

MAGNUS LINDBERG (1958): Concerto n. 2 per violino e orchestra (2015) (prima esecuzione italiana)

GÉRARD GRISEY (1946-1998): Modulations, per 33 strumentisti (1976) (Espaces acoustiques, IV)
EDGARD VARÈSE (1883-1965): Ameriques (versione ridotta del 1927)

Zum Auftakt spielte Frank Peter Zimmermann das zweite Violinkonzert von Magnus Lindberg. Ein etwas plumpes, manchmal für meinen Geschmack gar plakatives Werk – ich musste da und dort an die Kritik von René Leibowitz an der Symphonik von Jean Sibelius denken: Die Orchestereinsätze waren vor allem wuchtig, hatten aber keine Richtung, nichts entwickelte sich, manche Idee hing lose im Raum – was nicht etwa anregend oder verwirrend wirkte, sondern einfach etwas planlos. Das klingt aber übler als es war, zumal Zimmermann sich dem Konzert mit Herz und Seele hingab und am Ende den letzten Zweifel ausräumen konnte, wenigstens was diese Aufführung betraf. Es gab einen gigantischen Applaus und eine Zugabe (ein Satz aus einer der Solo-Sonaten von Bach, habe mir aber nicht die Mühe gemacht, nach dem Konzert herauszukriegen, welcher es war).

Nach der Pause richteten sich die 33 für Griseys „Modulations“ benötigten Musiker_innen auf der Bühne ein und schon bald flirrten faszinierende Klänge durch das moderne und einmal mehr klanglich sehr transparente Auditorium. Ich kenne Grisey noch nicht, doch wurden die Anleihen, die Steve Lehman bei Grisey macht, auch für meine Ohren sofort erkenntlich und als Erstbegegnung war das wohl perfekt.

Der grosse Höhepunkt war dann Varèse, die überarbeitete Fassung von „Amériques“ (wobei ich nicht sicher bin, ob diese Angabe stimmte, es gab 15 Schlagzeuger auf der Bühne, was gemäss Wikipedia der Originalfassung entspricht). Jedenfalls ein Mordsspass, auch einmal solche Musik im Konzert zu erleben!
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Zum vorangehenden Kapitel der Woche in Italian im Januar/Februar 2017:
http://ubus-notizen.blogspot.ch/2017/02/giuseppe-verdi-don-carlo-1-februar-2017.html
Zum letzten Kapitel:

Klassik - 2015

23. September - Philharmonie, Köln

JOHANN SEBASTIAN BACH

Sei Solo. a Violino senza Basso accompagnato - Sonaten und Partiten für Violine solo (BWV 1001–1006)

Isabelle Faust Violine


Isabelle Faust mit Bach. Eine Epiphanie. Ich war völlig sprachlos. Die Musik ist ja bekanntermassen grossartig, aber sie live zu erleben war - trotz etwas unruhigen Publikums - nochmal etwas ganz anderes. Da steckt wirklich alles drin, was Musik kann, was möglich ist. Ein unfassbares Erlebnis.


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5. Dezember - Tonhalle, Zürich


Luba Orgonášová Sopran

Alisa Kolosova Alt
Pavel Cernoch Tenor
Peter Mikuláš Bass

Monteverdi Choir

Tonhalle-Orchester Zürich
Peter Solomon Orgel
John Eliot Gardiner

Leoš Janáček: Blaník-Ballade

Antonín Dvorák: Das goldene Spinnrad op. 109
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Leoš Janáček: Glagolitische Messe

John Eliot Gardiners umwerfendes Debut mit dem Tonhalle-Orchester. Es öffnete mit der Blanik-Ballade von Janácek, darauf folgte Dvoráks Spinnrad. Das Orchester kam schnell in Schwung, das Zusammenspiel klappte so hervorragend, dass man dachte, die hätten schon unzählige Male mit Gardiner gearbeitet ... nach der Pause dann die glagolitische Messe, das Orchester noch etwas aufgestockt, der Chor, die beeindruckende Orgel, die auch ihren unbegleiteten Zwischensatz kriegt, dazu ein gutes Solistenquartett, besonders toll Luba Orgonasova. Es gab nur Kürzestkritiken in den zwei grossen Tageszeitungen, aber beide Rezensenten waren ähnlich begeistert wie ich.


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16. Oktober - Tonhalle, Zürich


MOZART Symphonie C-Dur KV 551 "Jupiter"

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BRAHMS Violinkonzert D-Dur Op. 77

Zugabe: BACH: Preludio (Partita III, BWV 1006)


Frank Peter Zimmermann, Violine

Tonhalle Orchester Zürich
David Zinman

Mozart zog ein wenig an mir vorbei, wie das mit seinen Symphonien bisher bei mir halt ist ... das ist hübsch, regt mich beinah zu tapsigen Bärentanzschrittchen an, kommt mir aber nicht nahe. Gespielt schien mir das schlank, grossteils präzise, vermutlich ein wenig routiniert. [Das hat sich in der Zwischenzeit grundlegend geändert, aber von Mozart mag ich Nr. 40 wohl noch eine Spur lieber als die "Jupiter".]


Nach der Pause ging es mit Zimmermann und Brahms aber zur Sache - und wie! Er spielte manchmal fast zu leise, das mächtige Orchester schien ihn beinah zu verschlucken - aber das ist ja wiederum in diesem Konzert angelegt. Zimmermann spielte es sehr werkdienlich, sich zurücknehmend, mit Mut zur Hässlichkeit, zum Schrammeln, sein Ton hatte aber die meiste Zeit einen feinen Glanz - und Schmelz war auch in angemessenen Mengen da, Portamenti waren nicht selten, aber raffiniert gesetzt, immer wieder schien das ganze hart an den Grenzen des Tonalen vorbeizuschrammen, um im nächsten Moment wieder fast - immer nur fast! - kitschig zu klingen. Eine tolle Balance fand ich, auch im Ton, der nie dick war und eben dennoch Schmelz hatte. Das ganze war von einer zurückhaltenden Innigkeit, die mir äusserst gut gefiel - ein Feuer, das im Innern brennt und sich da und dort einen Weg bahnt, ohne dass es lodern müsste.


Ich hätte als Zugabe am liebsten gleich noch sein Mendelssohn-Konzert gehört ...