Tonhalle-Orchester Zürich
Lionel Bringuier Leitung
Xavier de Maistre Harfe
Mojca Erdmann Sopran
Katharina Konradi Sopran
Christian Elsner Tenor
Zürcher Sing-Akademie
Andreas Felber Einstudierung
Kaija Saariaho
„Trans“ für Harfe und Orchester, Schweizer Erstaufführung
—
Felix Mendelssohn Bartholdy
„Lobgesang“ op. 52
Heute am späten Nachmittag wieder in die Tonhalle, obwohl mir vor lauter Dingen (auch Musik) der Kopf rauscht und ich fast vom Stuhl kippte … aber ich wollte das Harfenkonzert von Saariaho hören, die ich bisher überhaupt nicht kannte. Faszinierendes Werk, mit viel Verve gespielt von Xavier de Maistre und dem Tonhalle Orchester, das ich heute tatsächlich zum ersten Mal unter Bringuier sah, dem eigentlich immer noch neuen und doch bald ehemaligen Chefdirigenten, mit dem es leider nicht so recht klappen wollte. Jedenfalls hat sich der Besuch gelohnt, auch wenn mir die Worte für das Werk von Saariaho ziemlich fehlen, ich es überhaupt nicht einordnen kann. Man liest von den Spektralisten, vom IRCAM, von Computermusik – das alles kenne ich noch viel zu schlecht. Im Programmheft hat sie selbst einen Kommentar zu „Trans“ beigesteuert, wird auch im weiteren Text über das Werk zitiert: „Die Herausforderung besteht darin, die Vielfalt der orchestralen Palette zu bewahren, ohne die Harfe als Soloinstrument zuzudecken.“ Die Vielfalt der Palette war in der Tat zu hören, es gab auch Röhrenglocken, Xylophone und anderes, die Instrumentierung war oft sehr interessant, fand ich – zum Glück konnte ich, da das Konzert nicht sonderlich gut besucht war, auf dem Balkon etwas nach vorn rutschen und besser sehen, welche Instrumente gerade zu Gange waren. Bei unkonventionellen Kombinationen ist es doch sehr hilfreich, sehen zu können (das fehlt mir denn auch oft daheim, wenn ich CDs höre – aber das Ohr lernt mit, denke ich).
Was „Lobgesang“ betrifft, die sinfonische Kantate von Mendelssohn, die aus welchen Gründen auch immer lange Zeit als seine zweite Symphonie geführt wurde (im Tonhalle-Programm ist das wenigstens im Begleittext auch immer noch so halb der Fall), war ich skeptisch. Es sind die „Italienische“ und die „Schottische“, die mich ansprechen, doch im Konzert gehört habe ich gerade die „Reformationssymphonie“ und jetzt eben den „Lobgesang“. Doch die Skepsis war unnötig, das Orchester unter Bringuier ging die öffnende Sinfonia gemessen aber mit viel Elan an und es entfaltete sich ein wundervoll bunter Klangzauber. Die Sing-Akademie war dann erst recht beeindruckend, mit einer Diktion und Verständlichkeit, die jene von Mojca Erdmann in den Schatten stellte, wie man leider sagen muss (sind es nicht die Hamburger, die so stolz auf sich sind?). Erdmann war keineswegs schlecht, im Gegenteil, aber von den Solisten war es in erster Linie Christian Elsner, der mich sehr beeindruckte. Das Duett der beiden Soprane gelang ebenfalls bestens, die Timbres von Erdmann und Katharina Konradi, die den undankbaren zweiten Sopranpart sang, passen bestens zusammen.
Am Ende grosser Applaus für Chor, Solisten und Orchester, Bringuier liess zuletzt auch noch die diversen Register einzeln aufstehen – sehr sympathisch und musikalisch auch ziemlich gut, wenn mich mein Urteilsvermögen da nicht völlig im Stich lässt. Aber gut, der Blick geht nach vorn, das Tonhalle-Orchester ab nächster Saison für drei Jahre in eine temporäre Spielstätte im todlangweiligen Trendquartier Zürich West („internationales, grossstädtisches Flair“ heisst ja soviel wie: völlig austauschbar, ein paar alte umfunktionierte Fabriken, neue Hochhäuser, die manchmal wie Bunker aussehen, das übliche halt) und die Arbeit am Klang wie auch der Wechsel zu einem neuen Chefdirigenten wird unter den Umständen gewiss nicht einfach (von den bisher als Papabili gehandelten Gästen wäre Paavo Järvi mein klarer Favorit – kenne ihn nicht gut, aber im Konzert war er klasse und das Zusammenwirken mit dem Orchester klappte hervorragend).
Posts mit dem Label Felix Mendelssohn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Felix Mendelssohn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Isabelle Faust, Freiburger Barockorchester, Pablo Heras-Casado - 26. März 2017, Tonhalle, Zürich
Tonhalle Zürich, Grosser Saal – 26.3.
Neue Konzertreihe Zürich
Freiburger Barockorchester
Pablo Heras-Casado Leitung
Isabelle Faust Violine
Felix Mendelssohn Bartholdy
Ouvertüre „Die Hebriden“ op. 26
Violinkonzert e-Moll op. 64
—
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107 „Reformations-Sinfonie“
Ein Mendelssohn-Programm mit dem Freiburger Barockorchester … und das heiss geliebte Violinkonzert mit Isabelle Faust? Und dennoch holte ich mir erst vor einigen Tagen eine Karte (die allerletzte der billigsten Kategorie, aber allein auf meiner Seite des Saales kamen wohl gegen ein Dutzend Leute nicht). Das hatte seine Gründe, und ganz unberechtigt waren diese wohl nicht.
Aber von Anfang an: Das Orchester unter Heras-Casado, der das komplette Programm aus dem Gedächtnis dirigierte, legte mit einer zügigen und überaus mitreissenden Hebriden-Ouvertüre los. Der helle, leichte Klang und das leichtfüssige Spiel mochten sehr zu überzeugen und das blieb über den ganzen Abend hinweg so. Das erhoffte Highlight war dann natürlich das Violinkonzert, doch auch seinetwegen hatte ich – trotz meiner grossen Wertschätzung von Isabelle Faust – einige Bedenken. Das Orchester war auch hier wieder tadellos, aber da und dort hätte man sich halt doch mehr Schwere gewünscht. Nicht grundsätzlich, aber als einzusetzendes, abrufbares Stilmittel; gerade im romantischen Repertoire darf es eben schon mal wuchtig klingen, dürfen die Streicher satt schwelgen. Fausts Einstieg fand ich überzeugend, ihre Verve, ihre Klarheit, spitz aber zugleich sanft gespielt – das gefiel. Doch in den lauten Passagen schien ihr Instrument manchmal etwas zu scheppern und dennoch war die Balance zwischen ihr und dem Orchester dann nicht mehr ganz im Lot – es war als ging nicht mehr, als wolle die Geige nicht mehr hergeben. Dann die nächste leisere oder schwindelerregend sich drehende Phrase, und Faust hatte wieder alles unter Kontrolle. So auch in der Kadenz. Doch der langsame Satz litt dann naturgemäss etwas unter der orchestralen Sprödheit.
Nach der Pause dann die programmliche Wackelpartie, die seltsame fünfte Symphonie, die ja eigentlich die zweite ist, und mit der ich im Gegensatz zur dritten und vierten (der „Schottischen“ und der „Italienischen“) nicht wirklich klar komme (mit der „Lobgesang“, gemäss Opus-Numerierung der zweiten, geht es mir ähnlich). Aber gut, die beiden inneren Sätze sind teils von bezaubernder Schönheit, doch der kurze dritte Satz, der so bezaubernd beginnt, fasert irgendwie ziellos aus – und dann leidet der Schlusssatz gerade wie der Kopfsatz unter einer Mischung, die ich eigentlich bisher nur bei Beethoven halbwegs erträglich finde: plakativ munter drauf, manchmal geradezu plump in der Motivik, und dann wieder ganz bezaubernde Momente, und das alles irgendwie in einer Art Dialog zusammenmontiert, dann obendrein – im Schlusssatz – noch die ganze lutherische christliche Kriegsmarsch-Ästhetik (wie Choräle schon bei Bach vom Himmlischen zum Waffengeklirr der stampfenden Soldaten kippen, wird mich wohl zeitlebens vor den Kopf stossen, ein feste Burg halt – nicht für mich, bitte!).
Aber gut, das klingt jetzt wohl zu negativ, denn insgesamt war das ein toller Einblick in das überaus interessante Schaffen von Mendelssohn, das ja gerade mit Beethoven und mit der Klassik sowieso bricht, dabei auf Bach zurückgreift und vorgreift auf Dinge, die erst viel später wieder auftauchen (zumindest scheint mir das so, meine Vertrautheit mit der Romantik hält sich bisher einigermassen in Grenzen und die Lust, das über Schumann und Brahms hinaus grossartig zu vertiefen, hält sich ebenso in Grenzen … Bruckner wieder, dann Mahler, klar, aber das geht da dann schon wieder entscheidende Schritte weiter, zumal bei Mahler). Faust setzte sich übrigens für die zweite Konzerthälfte unten ins Publikum, Heras-Casado bei der kurzen Kurtág-Encore von Faust hinten ins Orchester. Die Mendelssohn-Zugabe ganz zum Schluss hat Heras-Casado zwar angesagt, aber verstanden habe ich ihn nicht, verstanden habe ich nur, dass er sagte, originell sei die Wahl nicht gerade.
Neue Konzertreihe Zürich
Freiburger Barockorchester
Pablo Heras-Casado Leitung
Isabelle Faust Violine
Felix Mendelssohn Bartholdy
Ouvertüre „Die Hebriden“ op. 26
Violinkonzert e-Moll op. 64
—
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107 „Reformations-Sinfonie“
Ein Mendelssohn-Programm mit dem Freiburger Barockorchester … und das heiss geliebte Violinkonzert mit Isabelle Faust? Und dennoch holte ich mir erst vor einigen Tagen eine Karte (die allerletzte der billigsten Kategorie, aber allein auf meiner Seite des Saales kamen wohl gegen ein Dutzend Leute nicht). Das hatte seine Gründe, und ganz unberechtigt waren diese wohl nicht.
Aber von Anfang an: Das Orchester unter Heras-Casado, der das komplette Programm aus dem Gedächtnis dirigierte, legte mit einer zügigen und überaus mitreissenden Hebriden-Ouvertüre los. Der helle, leichte Klang und das leichtfüssige Spiel mochten sehr zu überzeugen und das blieb über den ganzen Abend hinweg so. Das erhoffte Highlight war dann natürlich das Violinkonzert, doch auch seinetwegen hatte ich – trotz meiner grossen Wertschätzung von Isabelle Faust – einige Bedenken. Das Orchester war auch hier wieder tadellos, aber da und dort hätte man sich halt doch mehr Schwere gewünscht. Nicht grundsätzlich, aber als einzusetzendes, abrufbares Stilmittel; gerade im romantischen Repertoire darf es eben schon mal wuchtig klingen, dürfen die Streicher satt schwelgen. Fausts Einstieg fand ich überzeugend, ihre Verve, ihre Klarheit, spitz aber zugleich sanft gespielt – das gefiel. Doch in den lauten Passagen schien ihr Instrument manchmal etwas zu scheppern und dennoch war die Balance zwischen ihr und dem Orchester dann nicht mehr ganz im Lot – es war als ging nicht mehr, als wolle die Geige nicht mehr hergeben. Dann die nächste leisere oder schwindelerregend sich drehende Phrase, und Faust hatte wieder alles unter Kontrolle. So auch in der Kadenz. Doch der langsame Satz litt dann naturgemäss etwas unter der orchestralen Sprödheit.
Nach der Pause dann die programmliche Wackelpartie, die seltsame fünfte Symphonie, die ja eigentlich die zweite ist, und mit der ich im Gegensatz zur dritten und vierten (der „Schottischen“ und der „Italienischen“) nicht wirklich klar komme (mit der „Lobgesang“, gemäss Opus-Numerierung der zweiten, geht es mir ähnlich). Aber gut, die beiden inneren Sätze sind teils von bezaubernder Schönheit, doch der kurze dritte Satz, der so bezaubernd beginnt, fasert irgendwie ziellos aus – und dann leidet der Schlusssatz gerade wie der Kopfsatz unter einer Mischung, die ich eigentlich bisher nur bei Beethoven halbwegs erträglich finde: plakativ munter drauf, manchmal geradezu plump in der Motivik, und dann wieder ganz bezaubernde Momente, und das alles irgendwie in einer Art Dialog zusammenmontiert, dann obendrein – im Schlusssatz – noch die ganze lutherische christliche Kriegsmarsch-Ästhetik (wie Choräle schon bei Bach vom Himmlischen zum Waffengeklirr der stampfenden Soldaten kippen, wird mich wohl zeitlebens vor den Kopf stossen, ein feste Burg halt – nicht für mich, bitte!).
Aber gut, das klingt jetzt wohl zu negativ, denn insgesamt war das ein toller Einblick in das überaus interessante Schaffen von Mendelssohn, das ja gerade mit Beethoven und mit der Klassik sowieso bricht, dabei auf Bach zurückgreift und vorgreift auf Dinge, die erst viel später wieder auftauchen (zumindest scheint mir das so, meine Vertrautheit mit der Romantik hält sich bisher einigermassen in Grenzen und die Lust, das über Schumann und Brahms hinaus grossartig zu vertiefen, hält sich ebenso in Grenzen … Bruckner wieder, dann Mahler, klar, aber das geht da dann schon wieder entscheidende Schritte weiter, zumal bei Mahler). Faust setzte sich übrigens für die zweite Konzerthälfte unten ins Publikum, Heras-Casado bei der kurzen Kurtág-Encore von Faust hinten ins Orchester. Die Mendelssohn-Zugabe ganz zum Schluss hat Heras-Casado zwar angesagt, aber verstanden habe ich ihn nicht, verstanden habe ich nur, dass er sagte, originell sei die Wahl nicht gerade.
Abonnieren
Posts (Atom)