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Giuseppe Verdi: Don Carlo - 7. Dezember 2016, Opernhaus Zürich (Luisi, Bechtolf)

Musikalische Leitung: Fabio Luisi
Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
Bühne: Rolf Glittenberg
Kostüme: Marianne Glittenberg
Lichtgestaltung: Jürgen Hoffmann
Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger, Janko Kastelic

Elisabetta di Valois: Anja Harteros
Filippo II: René Pape
Don Carlo: Ramon Vargas
Rodrigo, marchese di Posa: Peter Mattei
La principessa d’Eboli: Marina Prudenskaya
Il grande: inquisitore Rafal Siwek
Un frate: Ildo Song
Tebaldo: Soyoung Lee
Voce dal cielo: Sen Guo
Il conte di Lerma: Otar Jorjikia
Deputati fiamminghi: Andrzej Filonczyk, Dmytro Kalmuchyn, Huw Montague Rendall, Dimitri Pkhaladze, Stanislav Vorobyov, Ildo Song

Philharmonia Zürich
Chor der Oper Zürich
Zusatzchor der Oper Zürich
SoprAlti
Statistenverein am Opernhaus Zürich
Solo-Cello Bruno Weinmeister

Grossartige Sache, auch wenn es praktisch keine Regie gab (man stand halt da und sang, ruderte mal etwas mit den Armen … passt leider zu meinem bisherigen Gesamtbild von Bechtolfs Arbeit). Dafür eine tolle Bühne, die mit den Kostümen zusammen ein feines Ensemble bildete: scharfe Kontraste, ganz wie sie der Oper entsprechen (Rolf und Marianne Glittenberg, mehr von ihnen hier: http://www.nzz.ch/article9YO7S-1.331306). Aber was für ein Sänger_innenfest! Einzig Don Carlo war wohl etwas weniger grossartig als der ganze Rest der bis in die kleinen Rollen hervorragend besetzten Wiederaufnahme. Nicht nur die versammelte Riege auf der Bühne, auch das Orchester war grossartig aufgelegt. Prudenskayas Eboli beeindruckte (ging aber im Terzett – im zweiten Akt dieser Fassung, glaube ich – in den beiden Männerstimmen unter, im Quartett mit Elisabetta später dann aber nicht), ihre Arien und sonstigen Solo-Parts waren wirklich klasse. Matteis Posa war ebenso toll, vermutlich von den Männern der beeindruckendste an diesem Abend. Und klar, Harteros ist derzeit wohl wirklich nicht zu toppen. Ihre Stimme als solche, ihr Pianissimo, die gehaltenen Noten … wunderbar. Pape als alter König war ebenfalls gut, ganz besonders in der Solo-Szene zu Beginn des dritten Aktes. Auch Siwek (der Inquisitor) und Song (der Frate) waren sehr gut. Vargas in der Titelrolle hätte wohl in einem etwas weniger glänzenden Ensemble eine sehr gute Figur gemacht, aber in diesem Umfeld reichte es halt nicht immer – allerdings fiel er auch keineswegs in einem Masse raus, als dass man das ständig gedacht hätte, auch er hatte sehr gute Momente.

Allerdings ist wirklich zu bedauern, dass man den ersten Akt (Fontainebleau) wegliess – es macht den Plot eigentlich unverständlich. Nichtsdestotrotz ist diese Oper inzwischen eine meiner allerliebsten. Und ich sehe sie am 1. Februar in der Mailänder Scala gleich noch einmal – in der vollständige fünf-aktigen Fassung dann! (Bei der – anscheinend rundum weniger gelungenen – Erstaufführung dieser Inszenierung gab man vor ein paar Jahren wie es scheint die fünf-aktige Version und Zubin Mehta stand am Pult, das musste nicht sein: http://www.nzz.ch/versteinert-vor-angst-1.15435684)

Anja Harteros, Tonhalle-Orchester Zürich, Donald Runnicles: Webern, R. Strauss, Wagner - Tonhalle, Zürich, 28. Oktober 2016

Tonhalle-Orchester Zürich
Donald Runnicles Leitung
Anja Harteros Sopran

Anton Webern: „Im Sommerwind“ Idylle für grosses Orchester
Richard Strauss: Ausgewählte Orchesterlieder
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Richard Wagner: Auszüge aus „Götterdämmerung“

Der Auftakt mit Webern war süffig, Musik irgendwo zwischen Spätromantik und Hollywood, zwischen Pastorale und Stravinsky. Beschwingt, üppig, vollmundig und doch recht leicht … wird gewiss kein Lieblingsstück, scheint aber auch mit Weberns wichtigeren Werken (auf die ich sehr gespannt bin, grösstenteils noch in völliger Unkenntnis, gut Ding will eben Weile haben) auch wenig gemein zu haben.

Nach einer Viertelstunde folgte dann der Grund, warum ich in die Tonhalle: Anja Harteros mit Orchesterliedern von Richard Strauss. Der Reihe nach gab es:
Die heiligen drei Könige aus dem Morgenland Op. 56/6
Meinem Kinde Op. 37/3
Waldseligkeit Op. 49/1
Ruhe, meine Seele Op. 27/1
Morgen! Op. 27/4
Zueignung Op. 10/1
encore: Morgen! Op. 27/4
Die vier letzten Lieder hatte sie ein oder zwei Saisons früher unter dem neuen/bald-schon-nicht-mehr Chefdirigenten Lionel Bringuier gegeben, das hatte ich leider verpasst. Dieses Mal gab es andere Lieder unter dem schottischen Kapellmeister Donald Runnicles, der sein Tonhalle-Debut wohl letzte Saison gab (und am Donnerstag beim ersten von zwei identen Programmen bei Webern anscheinend abbrach, um nochmal von vorne anzusetzen – es habe, so der Rezensent der NZZ, fast nach dem Neutöner Webern geklungen, wo es dies eben gerade nicht tun sollte).

Runnicles‘ Dirigat war etwas gar gradlinig, etwas ruppig auch, nicht sehr auf Nuancen aus, was sich dann im Wagner bemerkbar machte, doch die Lieder mit Harteros gelangen wunderbar, die Solo-Violine (Andreas Janke wohl, wenn es denn derselbe war wie am Donnerstag, wovon ich mal ausgehe) war klasse, die Zartheit in „Meinem Kinde“ (mit kammermusikalischer Begleitung) bezaubernd. Harteros brachte selbst das zarteste Pianissimo perfekt – was für eine Stimme! Mein Highlight war erwartungsgemäss „Morgen“, das sie dann als Zugabe noch einmal sang – und es gelang ihr eine noch berührendere, noch zartere Version.

Nach der Pause dann Wagner, Auszüge aus der „Götterdämmerung“. Zum Einstieg Siegfrieds Rheinfahrt, dann Siegfrieds Tod und der Schluss des dritten Aktes. Wuchtige Musik, sehr beeindruckend besonders der mittlere Teil – aber eben: irgendwie auch etwas durchgespielt, zwar mit sattem Orchesterklang (da hat Bringuier für diese Art Musik wohl schon etwas geholfen, auch wenn dafür anderswo die Sensibilität etwas abnahm) aber ohne richtige Führung – es fehlte die Strenge und Unbedingtheit, die bei dieser Musik so nötig ist bzw. sie zum echten Rausch-Erlebnis macht (dieses fand so halbwegs statt, aber am Ende war es halt verpufft).