Giuseppe Verdi: Macbeth
Musikalische Leitung: Gianandrea Noseda
Inszenierung: Barrie Kosky
Bühne und Lichtgestaltung: Klaus Grünberg
Bühnenbildmitarbeit: Anne Kuhn
Kostüme: Klaus Bruns
Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger
Dramaturgie: Claus Spahn
Macbeth: Dalibor Jenis
Banco: Wenwei Zhang
Lady Macbeth: Tatiana Serjan
Kammerfrau der Lady Macbeth: Hamida Kristoffersen
Macduff: Joshua Guerrero
Malcolm: Otar Jorjikia
Arzt: Reinhard Mayr
Diener Macbeths, Mörder: Timm de Jong
Drei Erscheinungen: Astrid Hänggi, Linda Carmen Schmid, Mamuka Tepnadze
Philharmonia Zürich
Chor der Oper Zürich
Zusatzchor der Oper Zürich
SoprAlti der Oper Zürich
Statistenverein am Opernhaus Zürich
—
Gestern die letzte Aufführung der Wiederaufnahme des „Macbeth“, der in er letzten Saison unter Teodor Currentzis zur Aufführung kam (ich wollte schon damals hin). Eine grossartige Inszenierung mit minimalistischem Bühnenbild, einer Art Tunnel aus Lichtern im Schwarz der tiefen Bühne, leicht ansteigend und sich nach hinten verengend. Dazu zwei Stühle, ein paar Tote und ein paar „lebende“ Raben und zwei Dutzend mehr oder minder nackte Statist_innen. Regisseur Barrie Kosky deutet das Drama psychologisch, die Hexen und Geister entspringen der Einbildung des mordlüsternen Paares und erklingen folgerichtig aus dem Off. Es gibt zum Glück keine politische Deutung, die Chorszene – sollte sie an den Erfolg des Gefangenenchores aus „Nabucco“ anknüpfen? – bleibt recht farblos und musikalisch eine der am wenigsten prägnanten Szenen. Das liegt aber nicht am Orchester oder an Maestro Gianandrea Noseda. Das Orchester beweist nämlich einmal mehr, dass es mit italienischer Oper perfekt umzugehen weiss, nur mit dem Chor gibt es da und dort ein paar Koordinationsprobleme – kein wunder, ist dieser doch meist unsichtbar entweder im Schwarz am Bühnenrand oder auf den ganzen Raum verteilt, auch hinter dem Publikum, was zu sehr tollen Effekten führt – und nebenbei dazu, dass man nicht weiss, woher diese Stimmen kommen, die man da hört, ganz wie Macbeth mit seinen Geistern.
Tatiana Serjan und Dalibor Jenis sind als mordendes Königspaar grossartig, sie wissen auch mit dem kargen Set bestens umzugehen – Handlung gibt es praktisch nicht, da eben vieles als Projektion, als Wahn inszeniert wird bzw. auch einfach offen – und: buchstäblich – in den Raum gestellt wird. Die Musik findet dafür umso mehr statt, man fokussiert ganz auf sie, und die Effekte, die Verdi ansteuert, besonders in den ersten beiden Akten, sind manchmal sehr überraschend. Szene für Szene ist die ganze Oper sehr nuanciert aufgebaut, und wenn am Ende eine Fuge erklingt, hört man den Meister über dem düsteren Totentanz aus dem Off lachen. Oder war das auch wieder nur eine Stimme in meinem Kopf?
Die zweite Hälfte fand ich insgesamt etwas schwächer, allerdings bewältigte Serjan die Wahnsinnsszene auf sehr beeindruckende Weise. Den Chor, wie gesagt, hätte es nicht gebraucht – ich habe mich sogar gefragt, ob man das Stück nicht umschreiben könnte, indem man die ganze Szene einfach streicht, das Werk auf zwei Stunden rafft und ohne Pause durchspielt. Das könnte durchaus die Wirkung einer guten Inszenierung z.B. von Strauss‘ „Elektra“ entfalten und gerade in dieser düsteren Nacht-Inszenierung ist die Beklemmung gross – und verfliegt in der Pause schon völlig, kann danach nicht nahtlos fortgesetzt werden und wird von der Chor-Szene mit ihrem albern scheinenden Pathos dann nochmal aufgehalten.
Aber gut, am Ende bleibt diese Inszenierung ein Ereignis, keine Frage!
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Giuseppe Verdi: Don Carlo - 1. Februar 2017, Teatro alla Scala, Milano (Chung, Stein)
Teatro alla Scala Chorus and Orchestra
Conductor: Myung-Whun Chung
Salzburg Festival Production
Staging: Peter Stein
Sets: Ferdinand Woegerbauer
Costumes: Anna Maria Heinreich
Lights: Joachim Barth
Elisabetta di Valois: Krassimira Stoyanova
La principessa di Eboli: Ekaterina Semenchuk
Don Carlo: Francesco Meli
Rodrigo: Simone Piazzola
Filippo II: Ferruccio Furlanetto
Il Grande Inquisitore: Eric Halfvarson
Un frate: Martin Summer
Voce dal cielo: Céline Mellon
Thibault: Theresa Zisser
Da möchte ich auf meine Zeilen zur Wiederaufnahme der Züricher Inszenierung verweisen, denn es scheint mir sinnvoll bzw. ich kann gar nicht anders denn die beiden Opernabende im Vergleich zu betrachten.
Der Hauptunterschied liegt in der gewählten Fassung: in Mailand gab man die vollständige italienische Version in fünf Akten, was dem Stück auf jeden Fall gut tut bzw., finde ich, an sich die einzige Version ist, die man überhaupt spielen sollte. Kürzen hätte man z.B. bei den Pausen können, denn schon nach dem ersten Akt – gemäss dem Plakat, das im Foyer hing ca. 35 Minuten lang – folgte die erste 25minütige Pause, nach dem zweiten Akt (ca. 67 Minuten) die zweite, nach dem dritten (ca. 43 Minuten) die dritte, die „nur“ noch 20 Minuten dauerte, den vierte und fünften gab man dann dankenswerterweise am Stück (ca. 80 Minuten). Mir hätte die dritte Pause gereicht, aber gut, man sitzt auf den Rängen (ich sass in der ersten Galerie) so dicht beieinander, dass es eine Zumutung ist (es gibt nicht einmal Unterteilungen zwischen den Sitzen, keine Armlehnen, um den hochverehrten Archilochos zu parodieren: man sitzt buchstäblich Arsch an Arsch, Schenkel an Schenkel. Aber kurz aufstehen kann man auch bei den Vorhängen, Szenenwechseln, wenn die Bühne umgebaut wird). Und wenn man erstmal raus geht, zuerst bei der Kasse und dann an der Bar ansteht, um sich einen überteuerten Drink zu holen, braucht man halt auch 25 Minuten. Aber gut, soviel dazu.
Die Inszenierung aus Salzburg kannte ich schon von der TV-Übertragung, die hier inzwischen auch als BluRay herumliegt – der hatten ja Anja Harteros und Jonas Kaufmann die grossen Hauptrollen gesungen (ein Teil der Faszination des „Don Carlo“ liegt ja auch darin, dass es sechs Hauptrollen gibt und dass sich von den Sechsen keine_r verstecken kann). Die Kostüme und die Bühne schienen mir etwas heller und bunter, aber das mag an der Differenz zwischen den oft engen Bildausschnitten einer solchen Opern-Produktion und dem Live-Erlebnis mit der Sicht auf die komplette Bühne. Das Bühnenbild und die Kostüme fand ich Zürich sehr viel eindringlicher, aber schauspielerisch war die Aufführung in Mailand um Welten besser: in Zürich hatte man sich auf das Herumstehen und Armrudern beschränkt (Sven-Erich Bechtolf halt, ich begreife nicht, warum der immer wieder an den ersten Häusern Aufführungen in den Boden rammen darf). Aber die Strenge, die Eindringlichkeit – und der rabenschwarze Zynismus von Zürich gingen der Stein-Inszenierung ab, die im Vergleich fast ein klein wenig harmlos scheinen wollte (und da und dort halt zu sehr Pappmaché-Theater war). Alles in allem war es nicht ein so intensives Erlebnis wie in Zürich, auch weil mich die Sänger_innen insgesamt nicht ganz so sehr zu überzeugen vermochten. Francesco Meli in der Titelrolle fand ich jedoch sehr überzeugend (und damit etwas besser als Vargas), doch Stoyanova hatte einen schweren Stand gegen Harteros, anfangs hatte ich mit ihr ziemlich Mühe, später wurde sie immer besser. Die beiden Bässe waren – wie in Zürich – hervorragend, der Posa von Piazzola reichte an Mattei nicht ganz heran, war aber ebenfalls sehr gut. Selbiges gilt für die Eboli von Semenchuk und Prudenskaya.
Das Orchester war in erster Linie einfach anders, ohne zu werten, doch fand ich die düstere Züricher Sichtweise stringenter und zwingender – und letztlich passte dazu auch die gekürzte Fassung: da war eben alles auf den Punkt, wer braucht ob all der Schicksalsmacht noch den Plot verstehen? In Zürich unter Luisi ging es ruppig zur Sache, wurde laut (eine entfernte Bekannte, die auch dort war, fand es sei zu laut, und ihr hat auch der Carlo von Vargas enorm gefallen, sie scheint aber Vargas überhaupt enorm zu mögen) und knallte, ohne dass das je billig wirkte oder Effekte zu erzwingen schien. In Mailand unter Myung-Whun Chung war der Orchesterklang ausgeglichener, runder, schöner – weniger lebendig, aber am Ende ähnlich plastisch und elastisch. Für mein Empfinden gelang es in Zürich besser, die Kraft der Musik – und die Kraft des Werkes überhaupt – zum Vorschein zu bringen. Dass Bühne und Kostüme dazu praktisch in Schwarz/Weiss getaucht waren, halt gewiss zur Verstärkung dieses Eindruckes. Auf jeden Fall hat sich der Besuch gelohnt – und die Möglichkeit, zwei Inszenierungen einer Lieblingsoper hintereinander zu sehen hat man ja auch nicht alle Tage.
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Zum vorangehenden Kapitel der Woche in Italian im Januar/Februar 2017:
http://ubus-notizen.blogspot.ch/2017/02/takacs-quartet-haydn-ravel-beethoven.html
Zum nächsten Kapitel:
http://ubus-notizen.blogspot.ch/2017/02/frank-peter-zimmermann-orchestra.html
Conductor: Myung-Whun Chung
Salzburg Festival Production
Staging: Peter Stein
Sets: Ferdinand Woegerbauer
Costumes: Anna Maria Heinreich
Lights: Joachim Barth
Elisabetta di Valois: Krassimira Stoyanova
La principessa di Eboli: Ekaterina Semenchuk
Don Carlo: Francesco Meli
Rodrigo: Simone Piazzola
Filippo II: Ferruccio Furlanetto
Il Grande Inquisitore: Eric Halfvarson
Un frate: Martin Summer
Voce dal cielo: Céline Mellon
Thibault: Theresa Zisser
Da möchte ich auf meine Zeilen zur Wiederaufnahme der Züricher Inszenierung verweisen, denn es scheint mir sinnvoll bzw. ich kann gar nicht anders denn die beiden Opernabende im Vergleich zu betrachten.
Der Hauptunterschied liegt in der gewählten Fassung: in Mailand gab man die vollständige italienische Version in fünf Akten, was dem Stück auf jeden Fall gut tut bzw., finde ich, an sich die einzige Version ist, die man überhaupt spielen sollte. Kürzen hätte man z.B. bei den Pausen können, denn schon nach dem ersten Akt – gemäss dem Plakat, das im Foyer hing ca. 35 Minuten lang – folgte die erste 25minütige Pause, nach dem zweiten Akt (ca. 67 Minuten) die zweite, nach dem dritten (ca. 43 Minuten) die dritte, die „nur“ noch 20 Minuten dauerte, den vierte und fünften gab man dann dankenswerterweise am Stück (ca. 80 Minuten). Mir hätte die dritte Pause gereicht, aber gut, man sitzt auf den Rängen (ich sass in der ersten Galerie) so dicht beieinander, dass es eine Zumutung ist (es gibt nicht einmal Unterteilungen zwischen den Sitzen, keine Armlehnen, um den hochverehrten Archilochos zu parodieren: man sitzt buchstäblich Arsch an Arsch, Schenkel an Schenkel. Aber kurz aufstehen kann man auch bei den Vorhängen, Szenenwechseln, wenn die Bühne umgebaut wird). Und wenn man erstmal raus geht, zuerst bei der Kasse und dann an der Bar ansteht, um sich einen überteuerten Drink zu holen, braucht man halt auch 25 Minuten. Aber gut, soviel dazu.
Die Inszenierung aus Salzburg kannte ich schon von der TV-Übertragung, die hier inzwischen auch als BluRay herumliegt – der hatten ja Anja Harteros und Jonas Kaufmann die grossen Hauptrollen gesungen (ein Teil der Faszination des „Don Carlo“ liegt ja auch darin, dass es sechs Hauptrollen gibt und dass sich von den Sechsen keine_r verstecken kann). Die Kostüme und die Bühne schienen mir etwas heller und bunter, aber das mag an der Differenz zwischen den oft engen Bildausschnitten einer solchen Opern-Produktion und dem Live-Erlebnis mit der Sicht auf die komplette Bühne. Das Bühnenbild und die Kostüme fand ich Zürich sehr viel eindringlicher, aber schauspielerisch war die Aufführung in Mailand um Welten besser: in Zürich hatte man sich auf das Herumstehen und Armrudern beschränkt (Sven-Erich Bechtolf halt, ich begreife nicht, warum der immer wieder an den ersten Häusern Aufführungen in den Boden rammen darf). Aber die Strenge, die Eindringlichkeit – und der rabenschwarze Zynismus von Zürich gingen der Stein-Inszenierung ab, die im Vergleich fast ein klein wenig harmlos scheinen wollte (und da und dort halt zu sehr Pappmaché-Theater war). Alles in allem war es nicht ein so intensives Erlebnis wie in Zürich, auch weil mich die Sänger_innen insgesamt nicht ganz so sehr zu überzeugen vermochten. Francesco Meli in der Titelrolle fand ich jedoch sehr überzeugend (und damit etwas besser als Vargas), doch Stoyanova hatte einen schweren Stand gegen Harteros, anfangs hatte ich mit ihr ziemlich Mühe, später wurde sie immer besser. Die beiden Bässe waren – wie in Zürich – hervorragend, der Posa von Piazzola reichte an Mattei nicht ganz heran, war aber ebenfalls sehr gut. Selbiges gilt für die Eboli von Semenchuk und Prudenskaya.
Das Orchester war in erster Linie einfach anders, ohne zu werten, doch fand ich die düstere Züricher Sichtweise stringenter und zwingender – und letztlich passte dazu auch die gekürzte Fassung: da war eben alles auf den Punkt, wer braucht ob all der Schicksalsmacht noch den Plot verstehen? In Zürich unter Luisi ging es ruppig zur Sache, wurde laut (eine entfernte Bekannte, die auch dort war, fand es sei zu laut, und ihr hat auch der Carlo von Vargas enorm gefallen, sie scheint aber Vargas überhaupt enorm zu mögen) und knallte, ohne dass das je billig wirkte oder Effekte zu erzwingen schien. In Mailand unter Myung-Whun Chung war der Orchesterklang ausgeglichener, runder, schöner – weniger lebendig, aber am Ende ähnlich plastisch und elastisch. Für mein Empfinden gelang es in Zürich besser, die Kraft der Musik – und die Kraft des Werkes überhaupt – zum Vorschein zu bringen. Dass Bühne und Kostüme dazu praktisch in Schwarz/Weiss getaucht waren, halt gewiss zur Verstärkung dieses Eindruckes. Auf jeden Fall hat sich der Besuch gelohnt – und die Möglichkeit, zwei Inszenierungen einer Lieblingsoper hintereinander zu sehen hat man ja auch nicht alle Tage.
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Zum vorangehenden Kapitel der Woche in Italian im Januar/Februar 2017:
http://ubus-notizen.blogspot.ch/2017/02/takacs-quartet-haydn-ravel-beethoven.html
Zum nächsten Kapitel:
http://ubus-notizen.blogspot.ch/2017/02/frank-peter-zimmermann-orchestra.html
Giuseppe Verdi: Don Carlo - 7. Dezember 2016, Opernhaus Zürich (Luisi, Bechtolf)
Musikalische Leitung: Fabio Luisi
Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
Bühne: Rolf Glittenberg
Kostüme: Marianne Glittenberg
Lichtgestaltung: Jürgen Hoffmann
Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger, Janko Kastelic
Elisabetta di Valois: Anja Harteros
Filippo II: René Pape
Don Carlo: Ramon Vargas
Rodrigo, marchese di Posa: Peter Mattei
La principessa d’Eboli: Marina Prudenskaya
Il grande: inquisitore Rafal Siwek
Un frate: Ildo Song
Tebaldo: Soyoung Lee
Voce dal cielo: Sen Guo
Il conte di Lerma: Otar Jorjikia
Deputati fiamminghi: Andrzej Filonczyk, Dmytro Kalmuchyn, Huw Montague Rendall, Dimitri Pkhaladze, Stanislav Vorobyov, Ildo Song
Philharmonia Zürich
Chor der Oper Zürich
Zusatzchor der Oper Zürich
SoprAlti
Statistenverein am Opernhaus Zürich
Solo-Cello Bruno Weinmeister
Grossartige Sache, auch wenn es praktisch keine Regie gab (man stand halt da und sang, ruderte mal etwas mit den Armen … passt leider zu meinem bisherigen Gesamtbild von Bechtolfs Arbeit). Dafür eine tolle Bühne, die mit den Kostümen zusammen ein feines Ensemble bildete: scharfe Kontraste, ganz wie sie der Oper entsprechen (Rolf und Marianne Glittenberg, mehr von ihnen hier: http://www.nzz.ch/article9YO7S-1.331306). Aber was für ein Sänger_innenfest! Einzig Don Carlo war wohl etwas weniger grossartig als der ganze Rest der bis in die kleinen Rollen hervorragend besetzten Wiederaufnahme. Nicht nur die versammelte Riege auf der Bühne, auch das Orchester war grossartig aufgelegt. Prudenskayas Eboli beeindruckte (ging aber im Terzett – im zweiten Akt dieser Fassung, glaube ich – in den beiden Männerstimmen unter, im Quartett mit Elisabetta später dann aber nicht), ihre Arien und sonstigen Solo-Parts waren wirklich klasse. Matteis Posa war ebenso toll, vermutlich von den Männern der beeindruckendste an diesem Abend. Und klar, Harteros ist derzeit wohl wirklich nicht zu toppen. Ihre Stimme als solche, ihr Pianissimo, die gehaltenen Noten … wunderbar. Pape als alter König war ebenfalls gut, ganz besonders in der Solo-Szene zu Beginn des dritten Aktes. Auch Siwek (der Inquisitor) und Song (der Frate) waren sehr gut. Vargas in der Titelrolle hätte wohl in einem etwas weniger glänzenden Ensemble eine sehr gute Figur gemacht, aber in diesem Umfeld reichte es halt nicht immer – allerdings fiel er auch keineswegs in einem Masse raus, als dass man das ständig gedacht hätte, auch er hatte sehr gute Momente.
Allerdings ist wirklich zu bedauern, dass man den ersten Akt (Fontainebleau) wegliess – es macht den Plot eigentlich unverständlich. Nichtsdestotrotz ist diese Oper inzwischen eine meiner allerliebsten. Und ich sehe sie am 1. Februar in der Mailänder Scala gleich noch einmal – in der vollständige fünf-aktigen Fassung dann! (Bei der – anscheinend rundum weniger gelungenen – Erstaufführung dieser Inszenierung gab man vor ein paar Jahren wie es scheint die fünf-aktige Version und Zubin Mehta stand am Pult, das musste nicht sein: http://www.nzz.ch/versteinert-vor-angst-1.15435684)
Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
Bühne: Rolf Glittenberg
Kostüme: Marianne Glittenberg
Lichtgestaltung: Jürgen Hoffmann
Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger, Janko Kastelic
Elisabetta di Valois: Anja Harteros
Filippo II: René Pape
Don Carlo: Ramon Vargas
Rodrigo, marchese di Posa: Peter Mattei
La principessa d’Eboli: Marina Prudenskaya
Il grande: inquisitore Rafal Siwek
Un frate: Ildo Song
Tebaldo: Soyoung Lee
Voce dal cielo: Sen Guo
Il conte di Lerma: Otar Jorjikia
Deputati fiamminghi: Andrzej Filonczyk, Dmytro Kalmuchyn, Huw Montague Rendall, Dimitri Pkhaladze, Stanislav Vorobyov, Ildo Song
Philharmonia Zürich
Chor der Oper Zürich
Zusatzchor der Oper Zürich
SoprAlti
Statistenverein am Opernhaus Zürich
Solo-Cello Bruno Weinmeister
Grossartige Sache, auch wenn es praktisch keine Regie gab (man stand halt da und sang, ruderte mal etwas mit den Armen … passt leider zu meinem bisherigen Gesamtbild von Bechtolfs Arbeit). Dafür eine tolle Bühne, die mit den Kostümen zusammen ein feines Ensemble bildete: scharfe Kontraste, ganz wie sie der Oper entsprechen (Rolf und Marianne Glittenberg, mehr von ihnen hier: http://www.nzz.ch/article9YO7S-1.331306). Aber was für ein Sänger_innenfest! Einzig Don Carlo war wohl etwas weniger grossartig als der ganze Rest der bis in die kleinen Rollen hervorragend besetzten Wiederaufnahme. Nicht nur die versammelte Riege auf der Bühne, auch das Orchester war grossartig aufgelegt. Prudenskayas Eboli beeindruckte (ging aber im Terzett – im zweiten Akt dieser Fassung, glaube ich – in den beiden Männerstimmen unter, im Quartett mit Elisabetta später dann aber nicht), ihre Arien und sonstigen Solo-Parts waren wirklich klasse. Matteis Posa war ebenso toll, vermutlich von den Männern der beeindruckendste an diesem Abend. Und klar, Harteros ist derzeit wohl wirklich nicht zu toppen. Ihre Stimme als solche, ihr Pianissimo, die gehaltenen Noten … wunderbar. Pape als alter König war ebenfalls gut, ganz besonders in der Solo-Szene zu Beginn des dritten Aktes. Auch Siwek (der Inquisitor) und Song (der Frate) waren sehr gut. Vargas in der Titelrolle hätte wohl in einem etwas weniger glänzenden Ensemble eine sehr gute Figur gemacht, aber in diesem Umfeld reichte es halt nicht immer – allerdings fiel er auch keineswegs in einem Masse raus, als dass man das ständig gedacht hätte, auch er hatte sehr gute Momente.
Allerdings ist wirklich zu bedauern, dass man den ersten Akt (Fontainebleau) wegliess – es macht den Plot eigentlich unverständlich. Nichtsdestotrotz ist diese Oper inzwischen eine meiner allerliebsten. Und ich sehe sie am 1. Februar in der Mailänder Scala gleich noch einmal – in der vollständige fünf-aktigen Fassung dann! (Bei der – anscheinend rundum weniger gelungenen – Erstaufführung dieser Inszenierung gab man vor ein paar Jahren wie es scheint die fünf-aktige Version und Zubin Mehta stand am Pult, das musste nicht sein: http://www.nzz.ch/versteinert-vor-angst-1.15435684)
Verdi: Aida (Hui He, Fraccaro Komlosi; Kovatchev; de Bosio) - Arena di Verona, 30. Juni 2016
Insgesamt dauerte die Aufführung etwa vier Stunden, besonders die enorm lange Umbaupause (fast 40 Minuten) zwischen den kurzen letzten zwei Akten war sehr mühsam und zerriss die Aufführung ziemlich (unten das Bühnenbild für den Schlussakt, da wurde wirklich umgebaut, zudem mussten – wohl wegen des zunehmenden Windes – die beiden Obelisken fixiert werden, die nun merklich schief standen). Allerdings hat sich das Ganze am Ende unbedingt gelohnt, unabhängig vom Spektakel und teils doch anstrengenden Publikum. In Sachen praktische Tipps: man kann wohl reinnehmen, was man will (allenfalls will jemand in die Tasche gucken, aber gesehen habe ich das nicht), einfach keine Glasflaschen … bzw. wenn man eine solche dabei hat und öffnet, kommt halt einer und man muss den Wein in Plastic-Becher umfüllen – immer noch besser als ihn becherweise für 5€ zu kaufen (was ich getan hatte, hatte mich brav an die Vorgaben gehalten, die man bei Online-Bestellungen am Vortag zugestellt kriegt). Wasser wird nicht mal erst verkauft (weil man dafür wohl nicht die pauschalen 5€ verlangen könnte, lohnt also gar nicht erst), und unter den Verkäufern hatte wenigstens einer eine stärkere Stimme als der Tenor, der den Radamès gab.
Die Infos (zum Abend des 30.6., der Cast wechselt die ganze Zeit – klick)
Aida, the opera in the Arena par excellence, will be displayed in its historical edition of 1913 under the direction of Gianfranco de Bosio.
Conductor: Julian Kovatchev
The King: Carlo Cigni
Amneris: Ildico Komlosi
Aida: Hui He
Radamès: Walter Fraccaro
Ramfis: Rafal Siwek
Amonasro: Ambrogio Maestri
A messenger: Francesco Pittari
High Priestess: Alice Marini
Director Gianfranco de Bosio
Choreographer Susanna Egri
Chorus Master Vito Lombardi
Ballet Coordinator Gaetano Petrosino
Director of Technical Operations and Stage Design Giuseppe De Filippi Venezia
Arena di Verona Orchestra, Chorus, Corps de Ballet and Technical team
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