Sandrine Piau, Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini - 6. Februar 2017, Tonhalle Zürich

Il Giardino Armonico
Giovanni Antonini Dirigent
Sandrine Piau Sopran

JOSEPH HAYDN
Sinfonie D-Dur Hob. I: 6 «Le matin»
«Berenice, che fai»

WOLGANG AMADEUS MOZART
Rezitativ «Giunse al fin il momento» und Arie «Deh vieni non tardar» (aus: Nozze di Figaro)
Arie «Non mi dir» (aus: Don Giovanni)

JOSEPH HAYDN:
Sinfonie A-Dur Hob. I: 64 «Tempora Mutantur»

WOLGANG AMADEUS MOZART:
Rezitativ «Grazie ai numi parti» und Arie «Nel grave tormento» (aus: Mitridate re di Ponto)

Kaum zuhause ging es ans nächste Konzert – das passte natürlich perfekt, denn Il Giardino Armonico wurde einst von Studenten der Mailänder Musikhochschule gegründet. Ich schätze die bisher drei Veröffentlichungen ihres grossangelegten Haydn-Projektes sehr (und hoffe natürlich, dass Antonini und sein Ensemble und vor allem das Label alpha – und nebenbei ich – bis 2032 überleben werden und die Reihe tatsächlich vollendet werden kann), schätze aber auch, was ich bisher von Sandrine Piau gehört habe. Keine Frage, dass ich hin musste, auch in der grössten Erschöpfung. Glücklicherweise hatte ich mir einen Platz in der ersten Reihe gegönnt, links vom Mittelgang und daher nur zwei, drei Meter vor Piau (und Antonini direkt daneben auf dem Podest). Die Haydn-Symphonien wurden mit viel Verve angegangen, ausser den beiden Cellisten und dem Kontrabass (einer, aber ein toller!) standen alle Musiker, am hinteren Rand der Bühne waren ein paar Stühle aufgestellt. Für Hob. I: 6 war das Orchester sehr klein besetzt, später wuchs und schrumpfte es mehrmals, doch behielt es stets die kristalline Klarheit, mit der die kleinsten Details hörbar gemacht wurden, trotz der teils wohl recht raschen Tempi (ich bin auch bei Haydns Symphonien noch nicht weit, das ist ja hier auch bekannt). Dann die lange grosse Arie von Haydn zum Abschluss vor der Pause mit einer sehr eindrücklichen Piau.

Mit zwei Mozart-Arien (und einem neuen Kleid) ging es nach der Pause weiter, zuerst die tolle Arie der Susanna aus „Le Nozze di Figaro“, dann aus Don Giovanni „Non mi dir“ von Donna Anna – und das gefiel mir fast noch besser. Was für eine Stimme, was für eine Kontrolle! Und wie toll, das aus nächster Nähe hören zu können, völlig ungefiltert und auch ziemlich laut. Dazu ein Wort: im grossen Tonhallesaal gehen Ensembles mit alten Instrumenten wohl etwas unter, bisher hatte ich aber zum Glück stets die Geistesgegenwart, mir bei solchen Konzerten recht teure Plätze ganz vorne zu leisten; das ist jeweils die dritte von Sechs Preiskategorien, ab Reihe 4 oder 5 beginnt die erste Kategorie, im Regelfall nehme ich die billigsten Karten auf der seitlichen Galerie, wo man aufstehen (sonst sieht man nichts, was auch okay ist) und gesetzt der Laden ist nicht voll (also praktisch immer) auch etwas herumspazieren und sich da hinstellen kann, wo man die beste Sicht hat. Aber gut, Il Giardino Armonico legte dann mit der Sinfonie Hob. I: 64 los, die ich nochmal ein ganzes Stück interessanter fand als die erste frühe. Und natürlich musste auch Piau nochmal ran, mit einer grossen Arie aus der mir noch unbekannten Mozart-Oper „Mitridate“. Danach gab es zwei Zugaben mit Piau, was die erste, auf deutsch gesungene, war habe ich leider vergessen (Piau sagte sie an bzw. sagte irgendwas, aber ich kannte die Arie bzw. das Stück nicht und habe keine Textbausteine mehr präsent, die ich suchen könnte). Als zweites gab es dann – Piau sagte nur: „Barbarina“ und strahlte! – die kleine, bezaubernde Arie der Barbarina aus „Le nozze di Figaro“, „L’ho perduta“. Damit endete ein beeindruckendes Konzert mit einer stillen Note – oder mit einem plötzlichen Abbruch. Vielen Dank, gerne bald wieder!

In der NZZ gab es eine nicht sehr lesenswerte Kritik:
https://www.nzz.ch/feuilleton/sandrine-piau-und-il-giardino-armonico-warum-schreit-berenice-auf-ld.144238

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