THReNSeMBle, Peter Eötvös – Zürich, Tonhalle, Kleiner Saal – 26. Juni 2017

PETER EÖTVÖS CONTEMPORARY MUSIC FOUNDATION@TONHALLE
THReNSeMBle
Péter Eötvös
Leitung Creative Chair
Balázs Horváth Leitung
Anton Mecht Spronk Violoncello
Roland Szentpáli Tuba
Miklós Lukács Cimbalom

Péter Tornyai
„QuatreQuatuors“ für Ensemble (2010), Schweizer Erstaufführung
György Kurtág
„Brefs messages“ op. 47 für Kammerensemble (2011)
Máté Bella
„Chuang Tzu’s Dream“ für Violoncello und Ensemble (2008), Schweizer Erstaufführung

Máté Balogh
„Jam Quartet“ für Kammerensemble (2016), Schweizer Erstaufführung
Balázs Horváth
„pikokosmos = millikosmos“ für Tuba und Ensemble (2015), Uraufführung
Péter Eötvös
„da capo“ für Cimbalom und Ensemble (2014), Schweizer Erstaufführung

Das nun war ein grossartiger Abend – aktuelle Musik aus Ungarn, gespielt von einem Ensemble aus Ungarn (mit einer südeuropäischen Oboistin, die aber jetzt in Zürich bleiben – und das Ensemble demnach wohl verlassen – wird und einem lokalen Cellosolisten als Gast). Das besondere am THReNSeMBle – und an Peter Eötvös selbst – ist der Ansatz, dass die Musiker zugleich auch Komponisten sind und umgekehrt. So war Péter Tornyai auch als Bratschist im Ensemble dabei und der Gründer und Leiter der Gruppe Balázs Horváth auch als Komponist vertreten (ebenso wie Eötvös, der die meisten Stücke dirigierte, während wenigstens Balogh sein Stück selbst dirigierte – die Erinnerung an solche Äusserlichkeiten schwindet leider schon wieder) – ein von Pierre Boulez entliehenes Konzept, das in früheren Zeiten von grosser Selbstverständlichkeit war. Und es gerne wieder werden dürfte, zumal wenn die Ausbeute so überzeugend ausfällt.

Das Cellokonzert von Bella war das grosse Highlight, auch weil Spronk grossartig spielte. Die Stücke von Kurtág und Horváth fand ich ebenfalls phantastisch. Das erste von Tornyai hätte an sich mit vier über den ganzen Raum verteilten Gruppen gespielt werden müssen, was im kleinen Saal nur mit grösstem Aufwand möglich gewesen wäre (im grossen auch, zumal dieselben Instrumente danach alle auf die Bühne geschleppt hätten werden müssen). Schlimmer noch war aber, dass keine Harfe erklang sondern eine am Synthesizer simulierte – am fehlenden Instrument lag das kaum, aber in keinem anderen Stück war eine Harfe vonnöten und so griff man wohl zu dieser Notlösung, die im Gespräch mit Eötvös, das vor dem Konzert im Foyer stattfand, auch erwähnt wurde (sonst hätte ich wohl nicht gedacht: „aha, das soll jetzt also die Harfe sein“). Aber gut, das Stück wird deshalb nicht schlecht, bloss müsste man es halt unter anderen Bedingungen hören können. Etwas gewöhnungsbedüftig fand ich das erste Stück nach der Pause, das als „jazzig“ eingeführt wurde (die Ignoranz der Klassikwelt dem Jazz gegenüber schmerzt mich sehr – ich muss darauf achten, einen Eötvös wegen einer dämlichen Bemerkung nicht gleich geringer zu schätzen). Der Cellist des Ensembles wirkte quasi solistisch, im Quartett mit Flöte, Flügel und Percussion (drei Triangel nur) sowie einer Spieldose, die an einer Stelle zum Einsatz kam (die „jammt“ halt nicht, darum ist es wohl ein „Jam Quartet“, auch wenn fünf Musiker auf der Bühne sind). Das abschliessende Stück von Eötvös selbst überzeugte mich nicht vollends, manche Passagen schienen mir zu sehr auf den Witz kalkuliert, andere eher filmisch – und ziemlich langweilig, auch wenn sie nur als Übergang gedacht sein mögen. Das Cimbalom war übrigens nicht nur in diesem letzten Stück präsent sondern in zwei oder drei weiteren auch – aber in keinem so präsent wie in diesem letzten, wo es zwar nicht wie zuvor das Cello oder die Tuba einen dem Ensemble quasi gegenübergestellten Solopart hatte, aber doch immer wieder solistisch zu hören war.

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