Oum - Moods, Zürich, 1. April 2016

Sehr schönes Konzert gestern im Moods in Zürich - Beginn war für 20:30 angesetzt, wie immer im Moods, das ich seit fast 20 Jahren frequentiere. Das Moods war einst ein Jazzclub, heisst immer noch so, das Programm ist aber seit langem für vieles anderes geöffnet, im Mai verpasse ich Pat Thomas, weil ich am selben Abend schon Karten für ein anderes Konzert habe, Tony Allen hörte ich auch dort, aber die meisten der hochkarätigen afrikanischen MusikerInnen, die in letzter Zeit auftraten, verpasste ich - ist wie bei den CDs, am Ende muss man halt Prioritäten setzen.

Mit ein paar Minuten Verspätung kamen Oum und ihre Musiker auf die Bühne: zwei Kubaner an Bass und Percussion (Damian Nueva und Inor Sotolongo), Yacir Rami an der Oud (er stammt wohl wie Oum aus Marokko) sowie der französische Trompeter Robin Mansanti. Das Publikum war bunt gemischt, stimmte mehrmals arabische Gesänge an, es gab aber auch die üblichen Damen, die zum Reden gekommen waren, Gruppen von älteren Männern, die wohl auch aus dem Maghreb stammten etc. Der Laden war gut gefüllt, die Stimmung erwartungsfroh. Los ging es etwas verhalten, die meisten gespielten Stücke stammten aus dem aktuellen Album (dem vierten so scheint es, aber Nr. 1 und Nr. 2 erschienen wohl nicht in Europa, gestern war auch nur die Rede von zweien, daher ging ich gar nicht erst zum CD-Stand). Nach einer halben Stunde oder so waren die Jungs aufgewärmt und auch Oum kam etwas mehr aus sich heraus. Sie griff sich immer wieder verschiedenen Schellen oder Kastagnetten, tanzte auch mal etwas auf der Bühne herum (schade, dass man keinen angemessenen Teppich hatte, sie war natürlich barfuss).

Phänomenal fand ich den Percussionisten (ob es wirklich Sotolongo war? auf der Website steht sein Name, aber langhaarig wie die meisten Bilder im Netz nahelegen, war er nun gar nicht, aber Haare kann man ja abschneiden), der auf einem grossen Cajón sass und zwei weitere kleinere an Ständern von sich hatte, zudem anstelle einer Snare eine grosse, flache Rahmentrommel, anstelle eines Hi-Hat am Fusspedal ein Tamburin (ein Timbrel wohl, jedenfalls ohne Fell), eine Trommel, die wie eine Kreuzung aus Djembe und Conga aussah, hatte er auch noch neben sich, dazu ein paar Becken und kleinere Dinge. Er und der Bassist verstanden sich hervorragend, man hörte auch immer mal wieder kubanische Rhythmen oder Elemente, gegen Ende des Konzertes gab es gar ein Stück, das über eine Art Bossa-Beat gespielt wurde - und natürlich gab es die tolle arabische Version von "Veinte años", mit einem ausführlichen Intro von Bass und Percussion, ein Highlight, auch gegen Ende des Konzertes. Rami an der Oud war jedoch meist der zentrale Musiker der Band, spielte oft auch Bass-Licks, die vom Kontrabass dann nur ergänzt oder verdoppelt wurden, solierte auch ganz ordentlich (aber die eigene CD von ihm, die es auch noch zu kaufen gegeben hätte, mochte ich dann doch nicht mitnehmen, so toll fand ich ihn insgesamt nicht und von der CD liefen vor dem Konzert schon ein paar Kostproben). Der Trompeter stand etwas unbeteiligt hinten und hatte leider oft nicht viel zu tun, ein paar Melismen hier, eine kleine Gegenmelodie im Refrain da. Erst in der zweiten Hälfte spielte er ein paar Soli, mochte sich aber von der einfachen Harmonik der Stücke nicht recht freizuspielen (es klang dann eher so wie ein Solo von Guajira Mirabal aber mit dem Ton von Chet Baker, alles in Dur bzw. diatonisch, rhythmisch fliessend, ebenmässig). Zwischendurch gab es aber auch Trompetenlicks, die einem James Brown-Stück Ehre getan hätten und auch Oums Gesang wurde streckenweise enorm intensiv.

Wenn das jetzt Gedanken an Beliebigkeit heraufbeschwört: weit gefehlt! Das war ganz klar Oums Musik, von A bis Z. Wie auf den CDs erkennt man ihre Stimme und den Sound innert Sekunden, das Aufdröseln verschiedener Elemente wird der Musik so gesehen überhaupt nicht gerecht. Was auch immer wieder klar wurde, trotz der arabischen Elemente (v.a. die Oud): das ist Musik aus der Sahara, es gab auch Grooves und Stellen, die an Musik aus Mali erinnerten. Am Ende war das Konzert weniger Mitreissend als musikalisch enorm Reichhaltig. Es mag abgedroschen klingen, aber es ist für mich immer wieder beglückend, so gut gemachte Musik im Konzert zu hören, den Musikern zu lauschen, ihre spontanen Reaktionen, ihr Zusammenspiel zu beobachten - und wenn mittendrin auch noch eine Stimme wie jene von Oum erklingt, dann ist das wieder mal so, wie Irving Berlin einst schrieb: "Heaven, I'm in heaven ..." - und wenn dieser Himmel fast zwei Stunden (ohne Pause - mit einer sehr langen und einer kürzeren zweiten Zugabe) dauert ...

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