David Murray & Aki Takase Duo / Jean-Paul Brodbeck Trio - Moods, Zürich, 29. April 2016

David Murray & Aki Takase Duo - David Murray und Jean-Paul Brodbeck sassen diesmal in der Jury des ZKB Jazzpreises (die Zürcher Kantonalbank sponsort seit längerem das Moods, den besten Jazzclub in der Stadt). Nach den Konzerten der teilnehmenden Bands während der ganzen Woche (die ich natürlich mal wieder vollständig verpasste) gaben gestern zum Abschluss die Juroren eine Kostprobe ihres Könnens. Die Wahl der Formation überliess man ihnen und David Murray wünschte sich, nach langen Jahren wieder einmal mit Aki Takase zu spielen. Die beiden kamen auf die Bühne, doch Takase rannte gleich wieder davon, weil sie ihre Noten vergessen hatte ... und die Noten waren anfangs etwas problematisch, fand ich: komplexe, verschachtelte Linien und Akkorde, in rasantem Tempo gespielt. Beim zweiten Stück fand ich allmählich in die Musik hinein, Murrays Ton am Tenor war sowieso ohne Fehl und Tadel, und wie immer wenn möglich in der ersten Reihe sitzend hörte ich ihn auch in echt und nicht über die Anlage im Raum. Takase fiel in ihre Rag- und Stride-Grooves, was einmal super funktionierte, ein andermal aber rhythmisch so verwischt und ungenau schien, dass ich Angst hatte, gleich würde alles auseinanderfallen - und stellenweise Murray um seine stoische Ruhe im Umgang mit der rhythmischen, sagen wir mal: Ambivalenz, bewunderte. An dritter Stelle folgte ein Stück von Monk, für das Murray zur Bassklarinette griff - leider das einzige Mal, denn diese Version von "Let's Cool One" war eines der Highlights des Konzertes! Das ganze Set wirkte danach auf mich dennoch wie ein einziger Steigerungslauf (bloss die - viel zu kurze - Zugabe war mal wieder völlig überflüssig, so im Sinn: schau, da hast Du noch ein Bonbon, bzw. wie man hier sagt: Zältli). Murrays Spiel wurde immer intensiver, er wirkte zugleich enorm entspannt und höchst konzentriert, schraubte seine Linien in die Höhe, hatte aber auch im Falsett noch alles unter Kontrolle, spielte mit Zirkuläratmung lange Linien, oft repetitive Muster, fiel dann wieder in die Tiefe, wo er sein Saxophon schnauben und keuchen liess ... und atmete danach selbst schwer, wenn er das Parkett kurz Takase überliess und sich in eine dunkle Ecke der Bühne setzte. Eine globale Heimweh-Nummer, die aber besser in die Schifferkneipe in Hamburg gepasst hätte, gab es dann gegen Ende auch noch ... play it to the people, nichts falsch daran, aber ein Highlight war das gerade nicht.

Jean-Paul Brodbeck Trio - Meine Erwartungen für nach der Pause waren ziemlich gering, obwohl ich über Brodbeck gewiss nichts Schlechtes sagen kann. Ein Klaviertrio, das sich stark beim Mainstream des Genres bedient war meine Erwartung, und so kam es denn auch: Bill Evans stand Pate, aber natürlich hatte man auch Keith Jarrett gehört, Brad Mehldau, spielte Eigenkompositionen (die teils allerdings stark an Standards angelehnt waren, den einen oder anderen Standard gab es auch), eine schöne Schumann-Bearbeitung ("Ich will meine Seele tauchen" aus der "Dichterliebe") ... das war romantisch, es swingte (Drummer Claudio Strüby machte einen sehr guten Job, für mich war er das Highlight des Sets), das Klavier langweilte manchmal, doch nach zwei, drei Stücken funktionierte das Interplay wirklich blendend, der junge Bassist Lukas Traxel streuerte gute Soli und exzellente Begleitung bei. Am Ende wurde daraus eine Runde Sache, und als Zugabe folgte dann die angekündigte Überraschung und David Murray gesellte sich zum Trio - und spielte eine phänomenale Version von "Body and Soul" zum krönenden Abschluss, demonstrierte nochmal eindrücklich, was ein Tenorsaxophon in den Händen eines Meisters hergibt.


PS: Murray und Takase sind heute - das wurde gestern erwähnt - im Studio ... demnächst bei Intakt, wenn alles gut läuft.

PPS: Den Jazzpreis gewann heuer die junge Pianistin Marie Krüttli aus der Romandie - auf der schönen CD ihres Trios, Kartapousse,  ist ebenfalls Lukas Traxel am Bass zu hören - ein äusserst vielversprechender junger Musiker, von dem ich noch zu hören hoffe!

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