Alela Diane - Bogen F, Zürich, 15. Juli 2013


Ich war gestern im Konzert in Zürich (im Bogen F, Viadukt, nette Location, leider unfassbar stickig, ich wäre fast zwischendurch mal raus, aber dazu hätte ich meinen guten Platz aufgeben müssen). Feine Sache mit einer hübschen Vorband, Isabeau et les Chercheurs d'Or aus Quebec, die so frenetisch beklatscht wurde, dass mir schien, man kenne sie in Zürich - und tatsächlich sehe ich gerade, dass sie in der vollen fünfköpfigen Besetzung letzten Herbst irgendwo in Zürich auftraten. Die Gruppe spielt eine Art Roots-Folk, die Violine und die Drums fehlten gestern, d.h. sie mutierten endgültig zur String Band ... hübsch und mit einem feinen Swing, aber auf die Dauer etwas eintönig, weil die Stücke doch alle ziemlich einfach gestrickt sind und die Soli (gespielt von der Frontfrau am Banjo und anderen Dingern) eigentlich nur aneinandergereihte, tausendmalgehörte Licks waren.
Im Konzert beeindruckte die Band durch Präsenz vom ersten Ton, die Sängerin hat eine gute Stimme und alle drei haben Charme. Der Holzfäller-Look des Bassisten (mit richtigem Vollbart, keine Hipsterkacke) täuschte nicht darüber hinweg, dass er seine Bassgeige singen lassen konnte mit einem Ton, der durchaus an den grossen Charlie Haden erinnerte. Allerdings, wie gesagt, war mir das alles nach drei, vier Songs etwas zu eintönig - ich dachte dann daran, was eine andere Roots-Rock Band aus Kanada in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern so alles zugange gebracht hatte und wünschte mir etwas mehr von dieser überbordenden Kreativität. Aber egal, ein schöner Einstieg in den Abend.

Nach einer Pause kam Alela Diane auf die Bühne, für den ersten Song allein - und ihre Stimme verzauberte schon mit den ersten gesungenen Zeilen. Sie spielte verschiedene akustische Gitarren, Heather Woods Broderick, die dann zum zweiten Stück hinzustiess war an einer sehr leisen elektrischen zu hören, dazu spielte sie etwas mit einem Effekt-Gerät und ihrer Stimme herum und türmte Loops oder sang mit viel Delay, sass zwei oder dreimal an einem alten Roland-Keyboard (soweit ich erkennen konnte, bin mir nicht sicher), das ziemlich cool und old-school klang und griff für ein Stück auch zur Querflöte - vor allem aber glänzte sie mit sehr feinem, meist höher als der Lead liegendem Backgroundgesang. Es gab einige Songs, die waren nicht von dieser Welt. Fragt mich nicht nach der Setlist, ich kenne die Songs zu schlecht und achte beim Hören der CDs von Alela auch nicht drauf, wie sie heissen, das ist Musik, die lege ich einfach hie und da gerne ein und lasse sie laufen, auch mehrfach, aber ohne zum Fanboy zu mutieren und die Zeilen zu studieren, die mir - auch gestern - hie und da reichlich banal scheinen ... Tiefpunkt diesbezüglich - man mag mich jetzt herzlos schelten - fand ich die zweite Zugabe, ein ihrer Tochter, "the little one in here", gewidmeten Song voller Babyklischees und Mamaklischees und fliegenden Vögeln. Mag sein dass ein Mann das nicht kapiert, mag aber auch sein, dass man das nicht unbedingt in öffentlich dargebotene Songs packen muss.

Es gab aber auch Momente, in denen das ganze etwas eintönig wurde und die gute Heather besser rausgegangen wäre, anstatt die ganzen Gitarren-Riffs von Alela auf der elektrischen leise zu verdoppeln und mit der Stimme genau dasselbe zu tun, selbst der Querflöteneinsatz war so geartet. Das verwässerte für mich etwas die Reinheit von Alelas Musik, diese grosse Projektionskraft, die ihre Stimme und in den besten Fällen ihre Zeilen haben. Und sie scheint mir eine ziemlich gute Pickerin zu sein. Die starken Momente waren jedenfalls verdammt stark - Gänsehaut galore wenn sie mal wirklich zweistimmig sangen (Heather spielte dann meist gar nichts, sang nur, was auch besser war) ... und die paar Sachen, die Alela ganz alleine gemacht hat waren schon sehr, sehr gut und die Stimme ist auf jeden Fall schön - sehr stark und rein.

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